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Handbremse einstellen

Eine Mutter unter dem Hebel, zwanzig Minuten – und der Hebel steht wieder beim dritten Zahn fest statt beim achten.

Schwierigkeit
mittel
Dauer:
20–45 Minuten
Kosten:
0 €
Geprüft am:

Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.

Worum geht es

Die Handbremse stellt man ein, indem man zuerst die Grundeinstellung der hinteren Radbremsen (Nachsteller bei Trommeln, Beläge bei Scheiben) prüft, dann den Hebel löst, das Auto hinten aufbockt, die Einstellmutter am Seilzugausgleich unter dem Hebel oder unter dem Auto so weit anzieht, dass beide Hinterräder beim dritten bis fünften Zahn blockieren und bei gelöstem Hebel frei drehen.

Die Handbremse (Feststellbremse) wirkt über Seilzüge auf die Hinterräder. Mit dem Verschleiß der Beläge und dem Längen der Seile wandert der Hebel immer weiter nach oben: Zieht er erst beim siebten, achten Zahn, hält das Auto am Berg nicht mehr sicher – und bei der Hauptuntersuchung ist eine Feststellbremse mit zu geringer Wirkung ein Mangel.

Bei den meisten Autos zieht die Handbremse nach 3 bis 5 Zähnen (Rasten) fest; der genaue Wert steht im Handbuch. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst die Grundeinstellung an den Radbremsen (bei Trommelbremsen der Nachsteller, bei Scheibenbremsen mit kleiner Trommel innen ebenso), dann erst der Seilzug. Wer nur am Seil zieht, überspannt die Bremse: Die Beläge schleifen, werden heiß, verschleißen in Wochen.

Diese Anleitung gilt für die klassische Handbremse mit Hebel und Seilzug. Elektrische Parkbremsen (Taste statt Hebel) stellen sich selbst nach und werden nur mit Diagnosegerät eingestellt. Fußfeststellbremsen (Pedal links) funktionieren wie der Hebel, der Ausgleich sitzt unter dem Pedal.

Vorbereitung

Werkzeug

  • Ring- oder Steckschlüssel für die Einstellmuttermeist SW 10, SW 13 oder SW 14; selbstsichernde MutterPflicht
  • Zweiter Schlüssel zum GegenhaltenSW 10–13 oder flacher SchraubendreherPflichtDie Gewindestange darf sich beim Drehen der Mutter nicht mitdrehen.
  • Wagenheber und zwei UnterstellböckePflichtBeide Hinterräder müssen frei drehen.
  • Unterlegkeile für die VorderräderPflicht
  • Schraubendreher oder Torx für die Mittelkonsole / den HebelbalgPH2, Torx T20hilfreichDie Einstellmutter sitzt meist unter dem Handbremshebel, versteckt unter Balg oder Konsolenabdeckung; bei manchen Autos unter dem Auto am Seilzugausgleich.
  • Schlitzschraubendreher oder Bremsen-EinstellwerkzeughilfreichFür den Nachsteller an Trommelbremsen durch das Loch in der Ankerplatte.
  • TaschenlampePflicht

Drehmomente

BauteilWertQuelle
Einstellmutter am SeilzugausgleichDie Mutter wird nach dem Hebelweg eingestellt, nicht angezogen. Selbstsichernd, muss sich mit Schlüssel noch drehen lassen.kein Drehmoment – Einstellwert nach Zähnenbelegt
RadschraubenSiehe „Räder wechseln“.110–140 Nm (Handbuch)üblich

Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.

Bevor Du anfängst

  • Nie unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht. Zwei Böcke, Keile vorn, Gang raus (die Räder müssen frei drehen – also kein Gang, dafür Keile).
  • Handbremse nie zu stramm: Bei gelöstem Hebel müssen beide Hinterräder frei und ohne Schleifen drehen. Eine schleifende Handbremse wird heiß und zerstört Beläge und Trommeln.
  • Erst Grundeinstellung an den Rädern, dann Seil. Andersherum ist die Bremse falsch eingestellt und hält nicht gleichmäßig.
  • Elektrische Parkbremse: nicht von Hand einstellen. Nur mit Diagnosegerät im Servicemodus.

Schritt für Schritt

  1. Ist-Zustand messen

    Hebel ganz lösen, dann langsam ziehen und die Zähne (Klicks) zählen, bis er fest steht. Handbuch: Sollwert, meist 3–5 Zähne (manche 2–4, 5–7). Mehr als Soll: einstellen. Prüfen, ob die Bremse einseitig zieht: Am leichten Gefälle mit angezogener Handbremse anrollen lassen – rutscht eine Seite, ist die Grundeinstellung oder ein Seil fest.

    Ist-Zustand messen

    Kontrolle: Istwert in Zähnen notiert, Sollwert bekannt.

  2. Hinten aufbocken, Hebel lösen

    Keile vor die Vorderräder, Auto hinten anheben, auf zwei Böcke, beide Hinterräder frei. Handbremshebel ganz lösen. Beide Hinterräder von Hand drehen: Sie müssen frei laufen. Schleift eines schon jetzt, ist ein Seil schwergängig oder der Nachsteller falsch – erst das beheben.

    Hinten aufbocken, Hebel lösen

    Kontrolle: Beide Räder drehen bei gelöstem Hebel frei.

  3. Grundeinstellung an der Radbremse prüfen

    Trommelbremse (oder Scheibenbremse mit innenliegender Handbremstrommel): Einstellmutter am Seil zunächst ganz lösen, damit das Seil locker hängt. Dann durch das Loch in der Ankerplatte (Gummistopfen) den Nachsteller mit dem Schraubendreher zahnweise verstellen, bis das Rad leicht schleift, dann zwei bis drei Zähne zurück, bis es frei läuft. Beide Seiten gleich. Scheibenbremse mit Handbremse im Sattel: Die Grundeinstellung macht der Sattel selbst; hier nur das Seil.

    Grundeinstellung an der Radbremse prüfen

    Kontrolle: Beide Räder laufen frei mit minimalem Schleifgeräusch beim Drehen, Seil noch locker.

  4. Einstellmutter finden

    Meist unter dem Handbremshebel: Balg hochschieben oder Konsolenabdeckung lösen; dort sitzt eine Gewindestange mit Mutter am Seilzugausgleich (ein Waagebalken, an dem beide Seile hängen). Bei manchen Autos sitzt der Ausgleich unter dem Auto in Höhe der Rücksitzbank – dann von unten mit der Lampe suchen.

    Einstellmutter finden

    Kontrolle: Mutter und Ausgleich gefunden, Schlüssel passt.

  5. Seil einstellen

    Hebel auf den zweiten Zahn ziehen. Einstellmutter mit Gegenhalten an der Stange anziehen, bis beide Hinterräder beim Drehen von Hand leicht schleifen – gleich stark links und rechts. Dann Hebel lösen: Beide Räder müssen wieder frei drehen. Zieht ein Rad mehr: der Ausgleich hängt schief – ein Seil ist schwergängig oder gelängt. Hebel ganz ziehen und zählen: Soll sind die Zähne aus dem Handbuch.

    Seil einstellen

    Kontrolle: Bei 2 Zähnen leichtes Schleifen beidseitig, gelöst frei, fest bei 3–5 Zähnen.

  6. Mehrmals betätigen, nachprüfen

    Hebel fünfmal kräftig ziehen und lösen – die Seile setzen sich. Dann noch einmal: gelöst frei, Zähne beim Festziehen. Nachkorrigieren, bis es passt. Gegenmutter (falls vorhanden) kontern, Balg oder Abdeckung montieren.

    Handbremshebel wird hochgezogen und die Rastzähne mitgezählt, die Zähne sind orange markiert

    Kontrolle: Einstellung bleibt nach fünfmal Ziehen gleich.

  7. Ablassen und am Berg prüfen

    Auto ablassen, Keile weg. An einer Steigung anhalten, Handbremse auf den Sollzahn ziehen, Fußbremse lösen: Das Auto muss stehen bleiben, vorwärts und rückwärts. Dann 20 km fahren und mit der Hand prüfen, ob eine Hinterradfelge wärmer ist als die andere – das wäre Schleifen.

    Ablassen und am Berg prüfen

    Kontrolle: Hält am Berg beim Sollzahn, Felgen nach der Fahrt gleich warm.

Danach

Lässt sich der Hebel nicht mehr korrekt einstellen oder wandert er in Wochen wieder nach oben, sind die Beläge der Handbremse oder die Seile fällig – oft erkennbar an einem Seil, das sich nicht mehr leicht bewegen lässt.

Zähne vor und nach der Einstellung mit Datum ins Heft. Vor der HU ein Blick darauf – die Feststellbremse wird dort geprüft.

Wieder fällig: wenn der Hebel über den Sollzahn wandert; Kontrolle bei jedem Belagwechsel hinten und vor der HU

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Häufige Fragen

Bei wie vielen Zähnen muss die Handbremse ziehen?
Steht im Handbuch, meist beim 3. bis 5. Zahn. Fest beim 2. ist zu stramm (Schleifgefahr), erst beim 7. zu lose. Entscheidend ist, dass beide Räder gelöst frei drehen und gezogen gleichmäßig blockieren.
Mein Auto hat eine Taste statt Hebel – kann ich das einstellen?
Nein. Die elektrische Parkbremse stellt sich selbst nach und wird nur mit Diagnosegerät im Servicemodus eingestellt oder zurückgesetzt. Das gehört in die Werkstatt.
Nur am Seil nachstellen – reicht das nicht?
Kurzfristig fühlt es sich so an, langfristig überspannt es die Bremse: Die Nachsteller an den Rädern kommen nicht mehr zum Zug, die Beläge schleifen, die Handbremse zieht einseitig. Erst die Grundeinstellung, dann das Seil.
Die Handbremse zieht nur auf einer Seite – warum?
Ein Seil ist schwergängig oder fest (Rost im Bowdenzug), der Ausgleich hängt schief, oder die Grundeinstellung ist ungleich. Seil mit Kriechöl gängig machen oder ersetzen – ein festes Seil lässt sich nicht einstellen.
Die Handbremse löst nicht ganz, das Rad schleift – was tun?
Seil hakt oder ist zu stramm eingestellt. Mutter etwas lösen; bleibt das Schleifen, hängt das Seil oder der Hebel im Sattel/in der Trommel – dann Seil ersetzen oder Sattel gängig machen.

Quellen

Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.

  • Werkstatt-Handbücher der Fahrzeughersteller – Sollwert in Zähnen, Lage der Einstellmutter, Grundeinstellung der Trommelbremse, Reihenfolge Nachsteller vor Seil
  • AUTODOC CLUB: Handbremse einstellen – Anleitungen je Modell – Einstellmutter unter dem Hebel, beide Räder gleich einstellen
  • HU-Prüfkriterien (Anlage VIII StVZO, Bremsenprüfung auf dem Rollenprüfstand) – Feststellbremse mit zu geringer oder ungleicher Wirkung ist ein Mangel
  • Werkstatt-Praxis und Foren (MOTOR-TALK) – Typische Fehler: nur am Seil gezogen, schleifende Handbremse, festes Seil

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