Thermostat wechseln
Ein Teil für 15 bis 40 Euro, eine Stunde Arbeit – und die Heizung ist wieder heiß, der Verbrauch wieder normal.
- Schwierigkeit
- mittel
- Dauer:
- 60–120 Minuten (plus Abkühlzeit)
- Kosten:
- 15–60 € für Thermostat mit Dichtung, bei Kunststoffgehäusen 40–120 € für das Gehäuse komplett
- Geprüft am:
Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.
Worum geht es
Das Thermostat wechselt man bei kaltem Motor, indem man das Kühlmittel bis unter das Thermostatgehäuse ablässt, das Gehäuse (meist am Ende des oberen oder unteren Kühlerschlauchs am Motor) abschraubt, das alte Thermostat samt Dichtung herausnimmt, das neue in derselben Lage – Entlüftungsventil nach oben, Federseite zum Motor – einsetzt, das Gehäuse gleichmäßig mit dem Herstellerdrehmoment anzieht und das Kühlsystem wieder befüllt und entlüftet.
Das Thermostat ist ein Ventil im Kühlkreislauf: kalt geschlossen, damit der Motor schnell auf Temperatur kommt; ab etwa 85–90 °C öffnet es und lässt Kühlmittel durch den Kühler. Klemmt es offen, wird der Motor nie richtig warm – Heizung lau, Verbrauch hoch, Motorkontrollleuchte mit Code P0128. Klemmt es geschlossen, überhitzt der Motor nach wenigen Kilometern – das ist der gefährliche Fall.
Die Diagnose ist einfach: Motor kalt starten, Hand an den oberen Kühlerschlauch. Er muss kalt bleiben, bis die Anzeige in der Mitte steht, und dann innerhalb einer Minute heiß werden. Wird er sofort warm, ist das Thermostat offen; bleibt er kalt, während die Anzeige steigt, ist es zu.
Bei älteren Motoren sitzt das Thermostat als Scheibe mit Dichtring in einem Alugehäuse – eine Stunde Arbeit. Bei vielen neueren Motoren ist es in ein Kunststoffgehäuse eingegossen, das komplett getauscht wird, oft mit Kennfeldthermostat (Stecker!). Das Prinzip bleibt gleich, nur das Teil ist teurer. Sitzt das Gehäuse tief unter der Ansaugbrücke oder hinter dem Zahnriemen, ist es eine andere Liga – dann Werkstatt.
Vorbereitung
Werkzeug
- Nuss oder Ringschlüssel für das Gehäusemeist SW 10, SW 12 oder SW 13; manche Torx E-Profil (E10/E12)Pflicht
- DrehmomentschlüsselBereich 5–30 NmPflichtDie Gehäuse sind Alu oder Kunststoff – ohne Drehmoment reißt das Gewinde oder der Flansch.
- Schlauchschellenzange oder ZangePflichtFür Federbandschellen am Kühlerschlauch.
- Auffangwanne, Trichter, EntlüftungstrichterWanne ab 10 LiterPflicht
- Schaber aus Kunststoff, Lappen, BremsenreinigerPflichtZum Reinigen der Dichtfläche – kein Metallschaber auf Alu.
- Wagenheber und Böcke oder RampenhilfreichNur, wenn das Kühlmittel über die Ablassschraube unten abgelassen wird.
- Frostschutzprüferhilfreich
Material
- Thermostat mit Dichtung (oder komplettes Thermostatgehäuse)1 Stück, passend zu Motorkennbuchstaben; Öffnungstemperatur wie Original (steht auf dem alten Thermostat)belegtMarkenteile (Behr/Mahle, Wahler, Gates). Kein „kälteres“ Thermostat – der Motor läuft dann dauerhaft zu kalt.
- Kühlmittel der vorgeschriebenen Sorte1–3 Liter Fertigmischung oder Konzentrat plus destilliertes Wasser, je nachdem, wie viel abgelassen wirdHandbuchSiehe „Kühlmittel wechseln“. Nur die Spezifikation aus dem Handbuch; nie G11 und G12 mischen.
- Neue Schlauchschellenbei BedarfbelegtVerrostete Federbandschellen ersetzen.
Drehmomente
| Bauteil | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Thermostatgehäuse, Aluminium (Schrauben M6)M6 in Alu – üblicher Bereich; über Kreuz in zwei Stufen. Handbuch prüfen. | 8–10 Nm | üblich |
| Thermostatgehäuse, Aluminium (Schrauben M8)Üblicher Bereich für M8 in Alu. Handbuch. | 18–25 Nm | üblich |
| Kunststoff-ThermostatgehäuseKunststoffflansche reißen bei zu viel Kraft – nur der Herstellerwert. | nur Handbuch (oft 8–12 Nm) | Handbuch |
| Schlauchschellen (Schraubschellen) | etwa 3–5 Nm | üblich |
Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.
Bevor Du anfängst
- Nur bei kaltem Motor. Das Kühlsystem steht heiß unter Druck – Deckel und Gehäuse nie warm öffnen.
- Kühlmittel ist giftig: aufwischen, Reste verschließen, Altkühlmittel zum Wertstoffhof.
- Motor nach dem Befüllen nie unbeaufsichtigt laufen lassen – ein nicht entlüftetes System überhitzt in Minuten. Temperaturanzeige im Blick.
- Kennfeldthermostat mit Stecker: Zündung aus beim Abziehen, Stecker nicht verwechseln.
- Sitzt das Gehäuse hinter Zahnriemen, Ansaugbrücke oder Turbolader: nicht nach dieser Anleitung – das ist Werkstattarbeit.
Schritt für Schritt
Diagnose: Ist es wirklich das Thermostat?
Motor kalt starten, Hand an den oberen Kühlerschlauch (der dicke vom Motor zum Kühler oben). Bleibt er kalt, bis die Anzeige in der Mitte steht, und wird dann heiß: Thermostat in Ordnung. Sofort warm: Thermostat klemmt offen. Anzeige steigt, Schlauch bleibt kalt: Thermostat zu – Motor sofort aus. Zusätzlich Fehlerspeicher lesen (P0128 = Kühlmitteltemperatur unter Regelwert).

Kontrolle: Befund eindeutig: offen, zu oder in Ordnung.
Teil besorgen und Lage des Gehäuses finden
Thermostat nach Motorkennbuchstaben kaufen, Öffnungstemperatur wie Original. Im Handbuch oder per Foto nachsehen, wo das Gehäuse sitzt: Das Thermostat ist dort, wo der obere oder untere Kühlerschlauch am Motor ankommt, in einem Gehäuse mit zwei bis vier Schrauben. Zugang prüfen: Muss Luftfilterkasten, Ansaugrohr oder Riemen weg?

Kontrolle: Richtiges Teil da, Gehäuse gefunden, Zugang klar.
Motor abkühlen lassen, Kühlmittel teilweise ablassen
Mindestens zwei Stunden warten. Deckel des Ausgleichsbehälters mit Lappen langsam öffnen. Wanne unter den Kühler, Ablassschraube unten am Kühler öffnen oder den unteren Kühlerschlauch abziehen, bis der Stand unter dem Thermostatgehäuse liegt – meist reicht die Hälfte. Bei Gehäusen tief am Motor alles ablassen.

Kontrolle: Stand im Behälter leer, Kühlmittel in der Wanne, Ablass wieder zu.
Schlauch ab, Gehäuse öffnen
Schelle am Kühlerschlauch zum Gehäuse lösen und den Schlauch mit Drehen abziehen (Rest Kühlmittel kommt – Lappen bereit). Stecker vom Kennfeldthermostat lösen, falls vorhanden. Gehäuseschrauben über Kreuz lösen und herausdrehen, Gehäuse abnehmen – sitzt es fest, mit dem Kunststoffschaber lösen, nie hebeln. Einbaulage des alten Thermostats fotografieren: Wo sitzt das kleine Entlüftungsventil (Kügelchen), wohin zeigt die Feder?

Kontrolle: Gehäuse ab, Foto von der Einbaulage, keine Schraube abgerissen.
Altes Thermostat raus, Dichtflächen reinigen
Thermostat und alte Dichtung (Gummiring oder Papierdichtung) herausnehmen. Beide Dichtflächen mit Kunststoffschaber und Bremsenreiniger blank machen – Reste der alten Dichtung sind der häufigste Grund für Undichtigkeit. Gehäuse auf Risse und verzogene Flansche ansehen (Kunststoff!). Das alte Thermostat zur Probe in heißes Wasser legen: Öffnet es nicht, war es die Ursache.

Kontrolle: Dichtflächen sauber und plan, Gehäuse ohne Risse, Fehler bestätigt.
Neues Thermostat einsetzen
Neues Thermostat mit neuer Dichtung einsetzen – in derselben Lage wie das alte: Federseite zum Motor (in den Kühlmittelstrom), Entlüftungsventil nach oben (zwölf Uhr), damit Luft entweichen kann. Bei komplettem Kunststoffgehäuse: neue Dichtung in die Nut, trocken, nicht einfetten (außer der Hersteller sagt es). Gehäuse aufsetzen, Schrauben von Hand eindrehen.

Kontrolle: Lage wie auf dem Foto, Entlüftung oben, Dichtung in der Nut, nichts verkantet.
Gehäuse mit Drehmoment anziehen
Schrauben über Kreuz in zwei Stufen anziehen: erst alle auf die Hälfte, dann auf den Herstellerwert (Tabelle). Bei Kunststoff nur der Wert aus dem Handbuch. Kühlerschlauch aufschieben, Schelle setzen, Stecker einrasten.

Kontrolle: Alle Schrauben geknackt, Schlauch fest, Stecker klickt.
Befüllen und entlüften
Abgelassenes Kühlmittel durch neues ersetzen (oder das alte zurück, wenn es jung und sauber ist – meist nicht). Behälter füllen, Entlüftungsschraube am Motor (falls vorhanden) öffnen bis blasenfrei, dann wie in „Kühlmittel wechseln“ entlüften: Deckel offen, Motor laufen lassen, Heizung heiß, Drehzahl heben, nachfüllen, bis der Lüfter einmal anläuft und keine Blasen mehr kommen.

Kontrolle: Keine Blasen, Heizung heiß, Lüfter einmal gelaufen, Temperatur in der Mitte.
Dichtheit und Funktion prüfen
Motor warm: Gehäuse und Schlauch mit der Lampe ansehen – trocken. Oberer Kühlerschlauch jetzt heiß. Motor aus, abkühlen lassen, Stand im Behälter auf MIN/MAX korrigieren. Probefahrt 20 km: Anzeige steigt zügig auf Mitte und bleibt dort. Fehlerspeicher löschen, falls P0128 drin war.

Kontrolle: Trocken, Anzeige in der Mitte stabil, Heizung heiß, kein Fehlercode.
Danach
Nach 100 km und einer Woche noch einmal Stand und Gehäuse prüfen – kleine Undichtigkeiten zeigen sich als weiße Kristallspur.
Thermostattyp, Öffnungstemperatur, Kühlmittel, Kilometerstand und Datum ins Heft.
Wieder fällig: bei Ausfall; typisch nach 100.000–150.000 km, sinnvoll bei jedem Kühlmittelwechsel mit geöffnetem Gehäuse
Schrauberheft anlegen
Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.
Schrauberheft anlegenStimmt hier etwas nicht?
Falscher Wert, fehlender Schritt, anderes Fahrzeug? Hier eintragen – ohne Konto, ohne Mailadresse.
Häufige Fragen
- Woran merke ich ein defektes Thermostat?
- Offen klemmend: Motor wird nie richtig warm, Heizung lau, Verbrauch steigt, oft Code P0128. Geschlossen klemmend: Motor überhitzt nach wenigen Kilometern, oberer Kühlerschlauch bleibt kalt. Der Handtest am Schlauch beim Kaltstart zeigt es.
- In welche Richtung wird das Thermostat eingebaut?
- Federseite zum Motor, also in den Strom des heißen Kühlmittels; das kleine Entlüftungsventil nach oben. Vor dem Ausbau fotografieren – das neue kommt genauso hinein.
- Kann ich das alte Thermostat testen?
- Ja: in einen Topf mit Wasser hängen und erhitzen, Thermometer dazu. Es muss bei der aufgeprägten Temperatur (z. B. 87 °C) anfangen zu öffnen und bei etwa 100 °C ganz offen sein. Öffnet es nicht oder ist es schon kalt offen, ist es defekt.
- Das Gehäuse ist aus Kunststoff – nur das Thermostat tauschen?
- Bei vielen Motoren ist das Thermostat fest im Gehäuse – dann wird das Gehäuse komplett getauscht. Ist das Gehäuse spröde oder verzogen, ohnehin neu: Ein undichter Kunststoffflansch kostet mehr Kühlmittel als das Teil.
- Die Heizung bleibt nach dem Wechsel kalt – was ist los?
- Luft im System. Noch einmal entlüften, ggf. Auto vorn anheben, Heizung auf heiß, Drehzahl heben, nachfüllen. Bleibt es, war der Heizungswärmetauscher schon vorher zu.
Quellen
Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.
- Montagehinweise der Thermostathersteller (Mahle/Behr, Wahler, Gates) – Einbaulage Federseite zum Motor, Entlüftungsventil oben, Dichtflächen reinigen, Schrauben über Kreuz
- Werkstatt-Handbücher der Fahrzeughersteller – Lage des Gehäuses, Drehmomente, Entlüftungsvorschrift, Kühlmittelspezifikation
- AUTODOC CLUB: Thermostat wechseln – Anleitungen je Modell – Kühlmittel ablassen, Gehäuse öffnen, gleichmäßig anziehen
- Fehlercode P0128 (SAE J2012): Kühlmitteltemperatur unter Thermostat-Regeltemperatur – Diagnosehinweis bei offen klemmendem Thermostat