Kühlmittel wechseln
Eine Stunde Arbeit und zwanzig Euro Material – und der Motor hat wieder Frost- und Rostschutz für Jahre.
- Schwierigkeit
- mittel
- Dauer:
- 60–120 Minuten (plus Abkühlzeit)
- Kosten:
- 15–40 € für Konzentrat und destilliertes Wasser
- Geprüft am:
Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.
Worum geht es
Kühlmittel wechselt man bei kaltem Motor, indem man das alte Kühlmittel über die Ablassschraube des Kühlers oder den unteren Kühlerschlauch ablässt, das System mit destilliertem Wasser spült, dann eine Mischung aus Kühlmittelkonzentrat der im Handbuch vorgeschriebenen Sorte und destilliertem Wasser im Verhältnis 50:50 einfüllt und die Anlage bei laufendem Motor mit offenem Ausgleichsbehälter entlüftet.
Kühlmittel ist mehr als Frostschutz: Es schützt Motor, Kühler und Wasserpumpe vor Rost und Kalk, hebt den Siedepunkt und schmiert die Pumpe. Die Zusätze dafür verbrauchen sich – bei älteren silikathaltigen Sorten (G11, blau/grün) nach zwei bis drei Jahren, bei modernen OAT-Sorten (G12+, G12++, G13, rot/lila) nach fünf Jahren oder laut Hersteller „Lebensdauerfüllung“. Spätestens, wenn das Mittel braun oder trüb wird, ist es fällig.
Die Sorte entscheidet das Handbuch, nicht die Farbe im Regal: G11 und G12 dürfen nicht gemischt werden (es flockt aus und verstopft den Kühler), G12+, G12++ und G13 sind untereinander verträglich. Wer unsicher ist, spült und füllt komplett neu – dann spielt der alte Inhalt keine Rolle.
Zwei Dinge machen die Arbeit anspruchsvoller als sie aussieht: Das System steht heiß unter Druck (nie am warmen Motor öffnen), und nach dem Befüllen muss die Luft heraus – ein Motor mit Luftblase im Kopf überhitzt, ohne dass die Anzeige es rechtzeitig zeigt. Manche moderne Autos entlüften nur mit Diagnosegerät (elektrische Wasserpumpe); dann gehört der Wechsel in die Werkstatt.
Vorbereitung
Werkzeug
- Auffangwannemindestens 10 Liter, flachPflicht
- Schlauchschellenzange oder ZangePflichtFür Federbandschellen am unteren Kühlerschlauch, falls keine Ablassschraube da ist.
- Schraubendreher oder Nuss für die Ablassschraube und die UnterbodenverkleidungAblassschraube oft Kunststoff-Flügel; Verkleidung Torx T25/T30Pflicht
- Trichter mit langem Hals und großer ÖffnungPflichtEin Entlüftungstrichter mit Adapter auf dem Ausgleichsbehälter macht das Entlüften viel einfacher (ab 15 €).
- Messbecher oder Kanister mit Skala5 LiterPflichtZum Anmischen 50:50.
- Frostschutzprüfer (Spindel oder Refraktometer)hilfreichPrüft die fertige Mischung – soll etwa −35 bis −40 °C ergeben.
- Wagenheber und Unterstellböcke oder RampenPflichtDie Ablassschraube sitzt unten am Kühler.
- Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, viel Lappen, PappePflicht
Material
- Kühlmittelkonzentrat der Sorte aus dem Handbuchmeist 3–5 Liter Konzentrat für eine 50:50-Füllung; Gesamtfüllmenge des Systems steht im Handbuch unter „Füllmengen“ (oft 6–10 l)HandbuchNur die freigegebene Spezifikation (z. B. VW G12evo/G13, BMW, MB 325.x, Ford WSS-M97B…). Fertigmischungen sparen das Anmischen, kosten aber das Doppelte je Liter Wirkstoff.
- Destilliertes oder demineralisiertes Wasser5–10 Liter (zum Spülen und Mischen)belegtKein Leitungswasser: Kalk setzt sich im Kühler ab und greift Dichtungen an.
Drehmomente
| Bauteil | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Ablassschraube am Kühler (Kunststoff)Nur bis die Dichtung anliegt. Kunststoff reißt, dann ist der Kühler fällig. | handfest, etwa 2–3 Nm | üblich |
| Schlauchschellen (Schraubschellen)Federbandschellen haben kein Drehmoment – sie werden nur zurückgesetzt. | etwa 3–5 Nm | üblich |
| Entlüftungsschraube am Motor/Thermostat (falls vorhanden)Kleine Schraube in Alu oder Kunststoff – Handbuch. | nur Handbuch | Handbuch |
Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.
Bevor Du anfängst
- Nur bei kaltem Motor. Ein heißes Kühlsystem steht unter Druck; der Deckel geöffnet, spritzt kochendes Kühlmittel heraus. Mindestens zwei Stunden warten, Deckel mit Lappen abdecken und langsam eine Rastung öffnen.
- Kühlmittel ist giftig und schmeckt süß – für Kinder und Tiere gefährlich. Alles sofort aufwischen, Reste verschlossen lagern, Altkühlmittel zum Wertstoffhof.
- Nicht in den Gully, nicht auf den Rasen. Kühlmittel ist Sonderabfall.
- Motor nach dem Befüllen nie unbeaufsichtigt laufen lassen – ein unentlüftetes System kann in Minuten überhitzen. Temperaturanzeige im Blick.
- Elektrische Wasserpumpe (viele neuere BMW, VW, Mercedes): Entlüften nur mit Diagnosegerät – das ist nicht diese Anleitung.
Schritt für Schritt
Sorte und Menge klären, Mischung vorbereiten
Im Handbuch nachsehen: vorgeschriebene Kühlmittelspezifikation und Füllmenge des Systems. Konzentrat und destilliertes Wasser kaufen. Mischung 50:50 anrühren (Herstellervorgabe beachten; mehr als 60 % Konzentrat verschlechtert die Kühlung). Mit dem Prüfer kontrollieren: Ziel etwa −35 bis −40 °C.

Kontrolle: Richtige Sorte, Mischung angesetzt, Frostschutz gemessen.
Motor abkühlen lassen, Auto anheben
Motor kalt (Handprobe am oberen Kühlerschlauch). Auto vorn anheben, auf Böcke oder Rampen, Unterbodenverkleidung abnehmen, Auffangwanne unter den Kühler stellen, Pappe darunter – es spritzt.

Kontrolle: Motor kalt, Wanne steht, Verkleidung ab.
Deckel öffnen, Kühlmittel ablassen
Deckel des Ausgleichsbehälters (oder Kühlerdeckel) mit Lappen langsam öffnen, dann ganz ab. Heizung im Innenraum auf heiß stellen, damit auch der Heizungswärmetauscher leerläuft. Ablassschraube unten am Kühler öffnen (meist eine Kunststoff-Flügelschraube an der Seite oder unten). Fehlt sie: unteren Kühlerschlauch an der Kühlerseite abziehen (Schelle lösen, Schlauch drehen, abziehen). Alles ablaufen lassen.

Kontrolle: Es tropft nur noch, Wanne enthält ungefähr die Füllmenge.
Spülen
Ablass schließen (Schlauch aufstecken), System mit destilliertem Wasser füllen, Motor fünf Minuten laufen lassen bis das Thermostat öffnet (oberer Kühlerschlauch wird warm), abkühlen lassen (!), wieder ablassen. Bei brauner Brühe oder Sortenwechsel wiederholen, bis klares Wasser kommt. Beim Ablassen aufschreiben, wie viel herauskommt – so weißt Du, wie viel Wasser im System bleibt.

Kontrolle: Abgelassenes Wasser klar; Restmenge im System abgeschätzt.
Neu befüllen
Ablass schließen, Trichter aufsetzen. Mischung langsam einfüllen, damit die Luft entweichen kann. Weil Spülwasser im System bleibt, bei Konzentrat lieber im ersten Schub etwas mehr Konzentrat einfüllen und nachher mit dem Prüfer korrigieren. Füllen, bis der Stand im Behälter über MAX steht (sinkt beim Entlüften).

Kontrolle: Behälter voll, keine Pfützen unter dem Auto.
Entlüften
Entlüftungsschraube am Motor (falls vorhanden, Handbuch) öffnen, bis Kühlmittel blasenfrei austritt, dann schließen. Deckel offen lassen (oder Entlüftungstrichter drauf), Motor starten, Heizung auf heiß und Gebläse an, Drehzahl mehrfach kurz auf 2.000–2.500 heben. Luftblasen steigen im Behälter auf, der Stand fällt – nachfüllen. Weiter, bis der obere Kühlerschlauch heiß ist, der Lüfter einmal anläuft und keine Blasen mehr kommen. Temperaturanzeige nie aus den Augen lassen.

Kontrolle: Keine Blasen mehr, Heizung bläst heiß, Lüfter ist einmal angelaufen, Temperatur in der Mitte.
Deckel drauf, abkühlen, Stand korrigieren
Motor aus, Deckel aufschrauben, Auto abkühlen lassen. Kalt den Stand prüfen: zwischen MIN und MAX (bei kaltem Motor eher MIN). Nachfüllen mit fertiger Mischung. Frostschutz noch einmal messen und mit Konzentrat korrigieren, wenn er über −30 °C liegt. Verkleidung anbauen, Auto ablassen.

Kontrolle: Stand kalt im Bereich, Frostschutz −35 bis −40 °C, alles dicht.
Probefahrt und Nachkontrolle
Zwanzig Minuten fahren, dabei Temperaturanzeige beobachten und die Heizung prüfen (bleibt sie kalt oder schwankt die Temperatur, ist noch Luft drin – noch einmal entlüften). Nach dem Abkühlen Stand prüfen, unter dem Auto nach Tropfen sehen.

Kontrolle: Temperatur konstant, Heizung heiß, Stand stabil, keine Tropfen.
Danach
Altes Kühlmittel und Spülwasser in die Kanister zurück und zum Wertstoffhof – es ist Sonderabfall.
Sorte, Mischung, Datum und Kilometerstand ins Heft mit Erinnerung nach dem Intervall des Herstellers. In den nächsten Wochen gelegentlich den Stand prüfen – ein leicht fallender Stand heißt, es war noch Luft drin.
Wieder fällig: silikathaltige Sorten (G11) alle 2–3 Jahre, OAT-Sorten (G12+/G12++/G13) alle 5 Jahre oder nach Herstellerangabe
Schrauberheft anlegen
Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.
Schrauberheft anlegenStimmt hier etwas nicht?
Falscher Wert, fehlender Schritt, anderes Fahrzeug? Hier eintragen – ohne Konto, ohne Mailadresse.
Häufige Fragen
- Welches Kühlmittel brauche ich?
- Die Spezifikation aus dem Handbuch – zum Beispiel VW G12evo/G13, BMW-Freigabe, MB 325.x, Ford WSS-M97B. Die Farbe ist kein Kriterium. Beim Nachfüllen nur dieselbe Sorte; beim kompletten Wechsel mit Spülung darf es die aktuelle freigegebene Sorte sein.
- Kann ich G11 und G12 mischen?
- Nein. Silikathaltig (G11) und OAT (G12) reagieren miteinander, flocken aus und verstopfen Kühler und Wärmetauscher. G12+, G12++ und G13 sind untereinander verträglich.
- Reicht Leitungswasser?
- Zum Spülen notfalls, zum Befüllen nicht: Kalk lagert sich ab und Chloride greifen Alu an. Destilliertes Wasser kostet einen Euro je Liter.
- Die Heizung bleibt kalt – was ist los?
- Luft im Heizungswärmetauscher. Noch einmal entlüften: Motor warm, Heizung auf heiß, Drehzahl anheben, Behälter offen, nachfüllen. Bei hartnäckigen Fällen das Auto vorn anheben, damit der Behälter der höchste Punkt ist.
- Mein Auto hat „Lebensdauerfüllung“ – muss ich trotzdem wechseln?
- Nach fünf bis sechs Jahren oder wenn das Mittel trüb oder braun wird, ist ein Wechsel sinnvoll – der Rostschutz ist dann verbraucht, auch wenn der Frostschutz noch stimmt. Spätestens bei jeder Arbeit, bei der das System ohnehin geöffnet wird (Thermostat, Wasserpumpe).
Quellen
Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.
- Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Kühlmittel und Frostschutz wechseln – Intervall, G12, G13 – Intervalle je Sorte, G11/G12 nicht mischen, 50:50-Mischung, Spülen und Entlüften, Diagnosegerät bei elektrischer Wasserpumpe
- Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Frostschutz richtig prüfen – Prüfwerte, Mischungsverhältnis
- AUTO ZEITUNG: Kühlflüssigkeit prüfen, nachfüllen, tauschen – Nur bei kaltem Motor öffnen, destilliertes Wasser, silikathaltig/silikatfrei nicht mischen
- carwow: Kühlmittel nachfüllen – Ablauf, Sicherheitshinweise
- Betriebsanleitungen und Werkstatt-Handbücher der Fahrzeughersteller – Spezifikation, Füllmenge, Lage von Ablass- und Entlüftungsschraube, Entlüftungsvorschrift