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Ölwechsel selber machen

Eine Stunde Arbeit, ein Drehmomentschlüssel und das richtige Öl – mehr braucht der wichtigste Service am Motor nicht.

Schwierigkeit
leicht
Dauer:
45–90 Minuten
Kosten:
40–90 € (Öl, Filter, Dichtring)
Geprüft am:

Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.

Worum geht es

Beim Ölwechsel lässt Du das warme Motoröl über die Ablassschraube ab, tauschst den Ölfilter und den Dichtring der Schraube, ziehst beides mit dem vorgeschriebenen Drehmoment an und füllst die im Handbuch genannte Menge eines Öls mit der passenden Herstellerfreigabe ein.

Motoröl schmiert, kühlt und reinigt. Mit jedem Kilometer nimmt es Ruß, Kraftstoffreste, Wasser und Säuren auf; die Zusätze, die das Öl stabil halten, verbrauchen sich. Irgendwann schmiert es schlechter als frisches Öl – das sieht man nicht, das merkt man erst am Verschleiß. Darum wird es gewechselt, bevor es so weit ist.

Wann es fällig ist, steht im Serviceheft oder in der Betriebsanleitung: bei festen Intervallen meist alle 15.000 km oder einmal im Jahr, bei Longlife-Intervallen rechnet das Auto selbst und meldet sich bis etwa 30.000 km oder zwei Jahre. Wer viel Kurzstrecke fährt, einen Turbo oder einen Diesel mit Partikelfilter hat, fährt mit dem kürzeren Intervall besser – Öl altert durch das, was es aufnimmt, nicht nur durch Kilometer.

Woran man merkt, dass es Zeit ist: Die Serviceanzeige meldet sich, das Öl am Peilstab ist tiefschwarz und riecht verbrannt, oder der letzte Wechsel ist über ein Jahr her. Ein Ölwechsel ohne Filterwechsel ist ein halber Ölwechsel – der Filter kommt immer mit.

Vorbereitung

Werkzeug

  • DrehmomentschlüsselBereich 10–60 Nm, 3/8" oder 1/2"PflichtFür Ablassschraube und Filterdeckel. Nach Gefühl wird fast immer zu fest – und ein überdrehtes Gewinde in der Ölwanne ist teuer.
  • Ring- oder Steckschlüssel für die Ablassschraubemeist SW 17 oder SW 19, bei manchen Herstellern Innensechskant 8 mm, Innenvielzahn oder TorxPflichtVorher nachsehen, was an Deinem Auto sitzt – mit dem falschen Werkzeug rundet man den Kopf.
  • Werkzeug für den ÖlfilterKunststoffdeckel: Nuss SW 32 oder SW 36 (manche 27, 74 mm oder 76 mm mit Filterschlüssel-Kappe); Schraubfilter: Bandschlüssel oder Filterschlüssel-KappePflichtDie Größe steht beim Filter dabei; eine Filterschlüssel-Kappe greift besser als ein Bandschlüssel.
  • Auffangwannemindestens 6 Liter, flachPflicht
  • TrichterPflicht
  • Wagenheber und zwei Unterstellböcke oder AuffahrrampenPflichtNur, wenn Du an die Ablassschraube nicht von oben oder ohne Anheben kommst. Nie unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht.
  • Lappen, Nitrilhandschuhe, Pappe oder Vlies für den BodenPflicht
  • Leerer, dicht schließender Kanister fürs Altöldie leere Frischölflasche reichtPflicht
  • Schraubendreher oder Torx für die Unterbodenverkleidungoft Torx T25/T30 oder SW 10hilfreich
  • ÖlabsaugpumpehilfreichAlternative, wenn Dein Auto einen Peilstab hat und Du nicht drunter willst. Ablagerungen am Boden der Wanne bleiben dabei drin – wenn Ablassen geht, ist Ablassen besser.

Material

  • Motoröl mit der Freigabe aus dem Handbuchmeist 3,5–6 Liter; die genaue Menge steht im Handbuch unter „Füllmengen“HandbuchEntscheidend ist nicht die Viskosität (5W-30, 0W-20 …), sondern die Freigabe: VW 504 00/507 00, BMW Longlife-04, MB 229.51/229.52, Ford WSS-M2C… Sie steht auf dem Kanister. Ein Öl ohne die vorgeschriebene Freigabe kann bei Dieseln mit Partikelfilter teuer werden.
  • Ölfilter1 Stück, passend zu Deinem Motor (Schraubfilter oder Einsatz für ein Filtergehäuse)belegtBei Einsätzen liegen die neuen O-Ringe bei – alle tauschen, nicht nur den großen.
  • Dichtring für die Ablassschraube1 Stück, Innendurchmesser wie die Schraube (oft 14, 16 oder 18 mm)belegtImmer neu. Der alte Ring ist einmal zusammengedrückt und dichtet nicht noch einmal sicher. Manche Hersteller schreiben vor, die Schraube samt Ring zu ersetzen.

Drehmomente

BauteilWertQuelle
Ölablassschraube (Stahlwanne, M14 oder M16)Viele Werkstatt-Handbücher nennen 30 Nm. Aluminium-Ölwannen und kleine Gewinde (M12) liegen oft darunter – dann gilt nur das Handbuch.25–35 Nmüblich
Ölfilterdeckel (Kunststoffgehäuse mit Einsatz)Steht meist auf dem Deckel selbst eingeprägt. Mehr nicht: Kunststoff reißt.20–25 Nmüblich
Schraubfilter (Metallpatrone)Nie mit dem Bandschlüssel festziehen – der ist nur zum Lösen. Dichtung vorher leicht einölen.handfest, dann etwa eine dreiviertel Umdrehung (rund 15–20 Nm)üblich

Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.

Bevor Du anfängst

  • Das Öl ist nach dem Warmfahren bis zu 90 °C heiß und läuft beim Lösen der Schraube sofort. Handschuhe an, Arme aus der Linie, Gesicht nicht unter die Schraube.
  • Nie unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht. Unterstellböcke oder Rampen, Handbremse angezogen, Gang drin, Räder blockiert.
  • Ölwechsel nur auf eigenem Grund mit festem Boden. Auf öffentlichen Plätzen ist er verboten, und ein Tropfen Öl im Boden kostet mehr als jede Werkstatt.
  • Altöl gehört nicht in den Hausmüll, nicht in den Gully, nicht ins Grundwasser. Der Händler, der Dir das neue Öl verkauft hat, muss die gleiche Menge kostenlos zurücknehmen – den Ölfilter auch.

Schritt für Schritt

  1. Öl, Filter und Dichtring besorgen

    Schlag im Handbuch nach: Füllmenge mit Filterwechsel, vorgeschriebene Freigabe, Viskosität. Kauf das Öl mit dieser Freigabe (steht auf dem Kanister), den passenden Filter und einen neuen Dichtring. Lieber einen Liter mehr kaufen als am Ende einen zu wenig haben.

    Motorölkanister, Ölfilter, Dichtring und aufgeschlagene Betriebsanleitung auf der Werkbank

    Kontrolle: Steht die Freigabe aus dem Handbuch wörtlich auf dem Ölkanister?

  2. Motor warmfahren

    Fahr zehn Minuten, bis die Kühlmittelanzeige in der Mitte steht. Warmes Öl ist dünn, läuft schneller ab und nimmt den Schmutz mit. Danach Auto auf ebenem Boden abstellen, Handbremse anziehen, Gang einlegen.

    Kühlmittelanzeige im Kombiinstrument, Nadel in der Mitte

    Kontrolle: Kühlmittelanzeige auf Betriebstemperatur, Auto steht gerade.

  3. Auto sicher anheben

    Nur, wenn Du an die Ablassschraube sonst nicht kommst. Wagenheber an den vorgesehenen Aufnahmepunkt (Markierung am Schweller), anheben, Unterstellbock darunter, ablassen bis der Bock trägt. Dieselbe Seite nochmal mit dem Wagenheber prüfen: Das Auto darf sich keinen Millimeter bewegen. Rampen sind einfacher: hochfahren, Handbremse, Räder hinten blockieren.

    Auto vorn auf dem Wagenheber, Unterstellbock trägt, Keile hinter dem Hinterrad

    Kontrolle: Rüttel am Auto – es bewegt sich nicht. Erst dann drunter.

  4. Einfülldeckel öffnen und Unterbodenverkleidung abnehmen

    Oben den Öleinfülldeckel abschrauben, damit beim Ablassen Luft nachströmt und das Öl nicht blubbert. Unten die Verkleidung unter dem Motor lösen (oft Torx oder SW 10, manchmal Kunststoffclips) und beiseitelegen. Pappe oder Vlies unter den Arbeitsbereich.

    Unterbodenverkleidung wird mit dem Torx-Schraubendreher gelöst, darüber die Ölwanne

    Kontrolle: Du siehst die Ölwanne und die Ablassschraube frei.

  5. Auffangwanne stellen und Ablassschraube lösen

    Wanne so stellen, dass der Strahl nicht senkrecht, sondern schräg nach vorn austritt – er kommt mit Schwung. Schraube mit dem Ring- oder Steckschlüssel lösen, die letzten Umdrehungen von Hand, Schraube dabei gegen die Wanne drücken und dann schnell wegziehen. Zehn Minuten laufen lassen, bis es nur noch tropft.

    Ablassschraube wird mit dem Ringschlüssel gelöst, das Öl läuft in die Auffangwanne

    Kontrolle: Nur noch einzelne Tropfen. Die Schraube liegt nicht in der Wanne (wenn doch: später mit dem Magneten fischen).

  6. Ölfilter wechseln

    Kunststoffgehäuse: Deckel mit der passenden Nuss lösen, Einsatz herausziehen, alle alten O-Ringe abnehmen, neue aus der Packung leicht einölen und aufziehen, neuer Einsatz hinein, Deckel mit dem Drehmomentschlüssel auf den Wert vom Deckel. Schraubfilter: mit Bandschlüssel lösen, abschrauben (es läuft Öl nach – Wanne darunter), Dichtfläche am Motor sauber wischen, prüfen, dass die alte Gummidichtung nicht am Motor kleben geblieben ist, neue Dichtung leicht einölen, Filter handfest aufschrauben und eine dreiviertel Umdrehung nachziehen.

    Alter Ölfilter wird mit dem Bandschlüssel abgeschraubt, daneben der neue Filter mit eingeölter Dichtung

    Kontrolle: Alte Dichtung ist mit dem alten Filter weg, neue sitzt gleichmäßig, nichts verkantet.

  7. Ablassschraube mit neuem Dichtring einsetzen

    Gewinde der Schraube und die Fläche an der Wanne sauber wischen. Neuen Dichtring auf die Schraube, von Hand eindrehen bis sie anliegt, dann mit dem Drehmomentschlüssel auf den Wert aus der Tabelle oben – oder besser auf den aus Deinem Handbuch. Es knackt einmal, dann ist Schluss.

    Ablassschraube mit neuem Dichtring wird mit dem Drehmomentschlüssel angezogen

    Kontrolle: Der Schlüssel hat einmal geknackt. Nicht nachziehen.

  8. Verkleidung anbauen, Auto ablassen

    Unterbodenverkleidung wieder anschrauben, Werkzeug und Wanne hervorholen, Auto vom Bock heben und ablassen, Rampen herunterfahren. Erst jetzt kommt das neue Öl: Auf dem Bock stünde das Auto schief und der Peilstab würde lügen.

    Auto steht wieder auf allen vier Rädern, Wagenheber und Bock beiseite

    Kontrolle: Nichts liegt mehr unter dem Auto, Auto steht gerade.

  9. Neues Öl einfüllen

    Trichter in den Einfüllstutzen, etwa einen halben Liter weniger einfüllen als im Handbuch steht. Eine Minute warten, Peilstab ziehen, abwischen, einstecken, ziehen, ablesen. In kleinen Schlucken nachfüllen, bis der Stand zwischen MIN und MAX liegt – näher an MAX, aber nicht darüber. Zu viel Öl ist genauso schlecht wie zu wenig.

    Frisches Öl wird durch den Trichter eingefüllt, daneben der Peilstab mit den Markierungen

    Kontrolle: Stand zwischen MIN und MAX. Einfülldeckel wieder zu.

  10. Motor starten, Öldruck prüfen, Dichtheit prüfen

    Motor starten und die Öldruck-Kontrollleuchte im Blick behalten: Sie muss nach ein, zwei Sekunden ausgehen und aus bleiben. Eine Minute laufen lassen, abstellen, unter das Auto schauen: Ablassschraube und Filter müssen trocken sein. Fünf Minuten warten, Ölstand nochmal prüfen und bei Bedarf nachfüllen.

    Kontrollleuchten im Kombiinstrument, die Öldruckleuchte ist aus

    Kontrolle: Leuchte aus, keine Tropfen an Schraube und Filter, Ölstand passt.

  11. Altöl zurückgeben und Service zurücksetzen

    Altöl aus der Wanne in den leeren Kanister füllen (Trichter!), dicht verschließen und zusammen mit dem alten Filter zum Händler bringen, bei dem Du das Öl gekauft hast – er muss die gleiche Menge kostenlos annehmen. Dann die Serviceanzeige zurücksetzen (steht in der Betriebsanleitung unter „Service-Intervall-Anzeige“), bei Longlife die richtige Ölsorte einstellen lassen.

    Altöl wird aus der Wanne in den Kanister gefüllt, daneben der alte Filter im Beutel

    Kontrolle: Altöl und Filter sind weg, Serviceanzeige zeigt das neue Intervall.

Danach

Nach den ersten 50 bis 100 km noch einmal unter das Auto schauen und den Ölstand prüfen. Ein Filter, der erst unter Druck leicht nässt, zeigt sich jetzt. Danach reicht ein Blick auf den Peilstab alle paar Tankstopps.

Schreib Datum, Kilometerstand, Ölsorte mit Freigabe und die Menge auf – das ist der Nachweis beim Verkauf, und beim nächsten Mal weißt Du sofort, was Du kaufen musst.

Wieder fällig: nach Handbuch, meist alle 15.000 km oder 12 Monate; Longlife bis 30.000 km oder 24 Monate

Schrauberheft anlegen

Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.

Schrauberheft anlegen
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Häufige Fragen

Welches Öl brauche ich?
Das Öl mit der Freigabe, die in Deiner Betriebsanleitung steht (zum Beispiel VW 504 00/507 00, BMW Longlife-04, MB 229.52). Die Viskosität wie 5W-30 ist die zweite Angabe; die Freigabe ist die wichtigere. Beides steht auf dem Kanister.
Kann ich Öl nur absaugen statt ablassen?
Ja, mit einer Absaugpumpe über das Peilstabrohr, wenn Dein Auto einen Peilstab hat. Ablagerungen am Boden der Ölwanne bleiben dabei drin, und den Filter musst Du trotzdem wechseln. Wenn Du an die Ablassschraube kommst, ist Ablassen die bessere Lösung.
Muss ich den Dichtring wirklich jedes Mal tauschen?
Ja. Der Ring ist aus weichem Metall oder Kunststoff und wird beim Anziehen zusammengedrückt – das geht nur einmal sauber. Ein neuer kostet unter einem Euro, eine Ölspur auf der Garageneinfahrt deutlich mehr.
Wo lasse ich das Altöl?
Beim Händler, der Dir das neue Öl verkauft hat: Er muss die gleiche Menge kostenlos zurücknehmen, den alten Filter auch. Sonst beim Wertstoffhof oder Schadstoffmobil Deiner Gemeinde. Nie in den Hausmüll oder Abfluss.
Was passiert, wenn ich zu viel Öl einfülle?
Zu viel Öl schäumt an der Kurbelwelle, schmiert dann schlechter und kann Dichtungen und Katalysator belasten. Bis knapp über MAX ist unkritisch, deutlich darüber solltest Du Öl über die Ablassschraube oder mit der Pumpe wieder herausnehmen.
Verliere ich die Garantie, wenn ich selbst wechsle?
Innerhalb der Herstellergarantie verlangen viele Hersteller den Nachweis einer fachgerechten Wartung nach ihren Vorgaben. Ein eigener Ölwechsel ist nicht verboten, Du musst ihn aber belegen können: Rechnung für Öl und Filter, Datum, Kilometerstand, Ölsorte mit Freigabe. Genau dafür ist das Schrauberheft da. Bei einem jungen Auto in der Garantie lohnt sich trotzdem ein Blick in die Garantiebedingungen.

Quellen

Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.

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