Zündkerzen wechseln
Eine halbe Stunde, eine Kerzennuss und ein Drehmomentschlüssel – danach läuft der Motor wieder rund und braucht weniger.
- Schwierigkeit
- leicht
- Dauer:
- 30–60 Minuten (je Zylinder etwa 10 Minuten)
- Kosten:
- 15–60 € für einen Satz Kerzen
- Geprüft am:
Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.
Worum geht es
Zündkerzen wechselt man bei kaltem Motor, indem man die Zündspulen oder Kerzenstecker abzieht, die alten Kerzen mit einer Kerzennuss herausdreht, die neuen von Hand ansetzt und mit dem Drehmoment für ihre Gewindegröße anzieht – bei M14-Kerzen im Aluminiumkopf etwa 25 bis 30 Nm.
Die Zündkerze zündet das Gemisch. Mit jedem Zündfunken brennt ein Hauch Material von den Elektroden ab, der Abstand wächst, der Funke wird schwächer. Irgendwann zündet es nicht mehr sauber: Der Motor ruckelt im Leerlauf, springt schlechter an, braucht mehr Sprit, im schlimmsten Fall leuchtet die Motorkontrollleuchte wegen Zündaussetzern.
Das Intervall hängt vom Kerzentyp ab: Standardkerzen mit Nickelelektrode halten meist 30.000 km, Platin- oder Iridiumkerzen 60.000 bis 100.000 km. Was in Deinem Motor gehört, steht im Serviceplan – und nur dieser Typ gehört hinein, nicht „irgendeine, die passt“.
Die Arbeit ist einfach, hat aber zwei Fallen: Ein Alugewinde im Zylinderkopf verzeiht kein Überdrehen, und Schmutz, der beim Herausdrehen in den Brennraum fällt, bleibt dort. Beides lässt sich mit Druckluft (oder einem Blasebalg) und einem Drehmomentschlüssel vermeiden.
Vorbereitung
Werkzeug
- Zündkerzennuss mit Gummieinsatz oder MagnetSW 16 (dünnwandig) für die meisten modernen Kerzen, SW 21 für ältere M14-Kerzen, manche SW 14PflichtDie Schlüsselweite steht auf der Kerzenpackung. Eine normale Nuss ist oft zu dick für den Kerzenschacht.
- DrehmomentschlüsselBereich 5–60 Nm, 3/8"PflichtZündkerzen gehören zu den Schrauben, die man am häufigsten überdreht. Ein neues Gewinde im Zylinderkopf kostet einen Werkstatttag.
- Ratsche mit Verlängerung und Gelenk3/8", Verlängerung 150–250 mmPflicht
- Nuss oder Torx für die Zündspulenoft SW 10, Torx T30 oder InnensechskantPflichtBei Motoren mit Einzelzündspulen (Stabzündspulen) sitzt je Zylinder eine Spule mit einer Schraube über der Kerze.
- Fühlerlehre0,5–1,5 mmhilfreichZum Prüfen des Elektrodenabstands. Vorgefertigte Kerzen stimmen meist, prüfen schadet nicht.
- Druckluft, Blasebalg oder StaubsaugerhilfreichZum Ausblasen der Kerzenschächte, bevor die Kerze herauskommt.
- Kleine Drahtbürste, Lappen, TaschenlampePflicht
Material
- Zündkerzeneine je Zylinder (3, 4, 5, 6 … je nach Motor), genau der Typ aus dem Serviceplan oder der Hersteller-TeilelistebelegtWärmewert, Gewinde, Länge und Elektrodenbauart müssen stimmen. Kerzenkataloge von NGK, Bosch, Denso oder Champion liefern den Typ über Marke, Modell und Motorkennbuchstaben.
- Kupferpaste oder Keramikpastenicht nötigbelegtDie meisten Kerzenhersteller raten davon ab: Schmiermittel am Gewinde verfälscht das Drehmoment und die Kerze wird zu fest. Verzinkte oder vernickelte Gewinde fressen nicht.
Drehmomente
| Bauteil | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Zündkerze M14, Aluminium-Zylinderkopf, FlachdichtsitzNGK-Montagetabelle; Bosch nennt für einzelne M14-Typen 28 Nm, Champion 25 Nm. Im Gusskopf 25–35 Nm. | 25–30 Nm | üblich |
| Zündkerze M12, Aluminium-ZylinderkopfNGK-Montagetabelle; Champion nennt für M12-Typen 20 Nm. Die meisten modernen Motoren haben M12. | 15–20 Nm | üblich |
| Zündkerze M10, Aluminium-ZylinderkopfNGK-Montagetabelle. Kleine Motoren, viele Motorräder. | 10–12 Nm | üblich |
| Zündkerze mit Kegeldichtsitz (ohne Dichtring)Kegelsitz-Kerzen werden deutlich schwächer angezogen als Flachsitz-Kerzen – hier gilt nur der Wert aus Deinem Handbuch oder von der Kerzenpackung. | etwa 10–20 Nm, nur Handbuch | Handbuch |
| Schraube der StabzündspuleKleine Schraube in Alu – nicht mehr. Wert im Handbuch prüfen. | meist 8–10 Nm | üblich |
Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.
Bevor Du anfängst
- Nur bei kaltem Motor. In warmen Aluköpfen reißen Kerzengewinde beim Herausdrehen leichter aus, und Du verbrennst Dir die Finger.
- Zündung aus, Schlüssel raus. Bei Motoren mit Zündspulen vorher den Stecker der Spule abziehen, nie am Kabel ziehen.
- Nichts darf in den offenen Kerzenschacht fallen: Schacht vor dem Herausdrehen ausblasen, neue Kerze erst auspacken, wenn der Schacht frei ist.
- Kerze nie mit Gewalt eindrehen. Geht sie nicht von Hand mindestens drei Umdrehungen hinein, sitzt sie schief – wieder raus, neu ansetzen.
Schritt für Schritt
Richtige Kerzen besorgen
Motorkennbuchstaben aus dem Fahrzeugschein oder vom Motor notieren und im Kerzenkatalog (NGK, Bosch, Denso) den vorgeschriebenen Typ nachschlagen. Einen kompletten Satz kaufen – nie gemischt. Auf der Packung stehen Schlüsselweite, Gewinde und Drehmoment.

Kontrolle: Typ, Anzahl und Schlüsselweite stimmen mit dem Katalog überein.
Motor abkühlen lassen, Abdeckung ab
Motor mindestens eine Stunde abkühlen lassen. Die Motorabdeckung aus Kunststoff abnehmen (oft nur aufgesteckt, manchmal zwei bis vier Schrauben). Darunter siehst Du die Zündspulen oder die Kerzenstecker in einer Reihe.

Kontrolle: Du siehst je Zylinder eine Spule oder einen Stecker.
Immer nur einen Zylinder zur Zeit
Arbeite Zylinder für Zylinder, dann kannst Du keine Zündkabel vertauschen. Stecker der Zündspule abziehen (Rastnase drücken), Schraube der Spule lösen, Spule mit leichtem Drehen nach oben abziehen. Bei alten Motoren mit Zündkabeln: den Stecker am Stecker greifen und mit Drehen abziehen, nie am Kabel.

Kontrolle: Spule oder Stecker ist draußen, Du siehst oben im Schacht die Kerze.
Schacht ausblasen
Mit Druckluft, Blasebalg oder dem Staubsauger allen Schmutz aus dem Kerzenschacht holen. Was jetzt drin liegt, fällt sonst beim Herausdrehen in den Brennraum.

Kontrolle: Schacht sauber, kein Sand und keine Krümel um die Kerze.
Alte Kerze herausdrehen
Kerzennuss mit Verlängerung aufsetzen, mit der Ratsche gegen den Uhrzeigersinn lösen. Die ersten Grad gehen schwer, dann lässt sie sich leicht herausdrehen. Kerze aus der Nuss nehmen und ansehen: hellbraun bis grau ist normal, ölig oder schwarz verrußt sagt etwas über den Motor – notiere es.

Kontrolle: Kerze draußen, Gewinde im Kopf sauber, nichts hineingefallen.
Elektrodenabstand prüfen
Elektrodenabstand der neuen Kerze mit der Fühlerlehre gegen die Packungsangabe prüfen (meist 0,7–1,1 mm). Bei Iridium- und Platinkerzen nichts nachbiegen – die feine Mittelelektrode bricht. Bei Standardkerzen vorsichtig an der Masseelektrode nachstellen.

Kontrolle: Lehre mit dem Sollwert gleitet gerade so durch den Spalt.
Neue Kerze von Hand ansetzen
Neue Kerze in die Kerzennuss stecken (Gummi oder Magnet hält sie), in den Schacht führen und nur mit der Verlängerung von Hand eindrehen – ohne Ratsche – bis sie aufsitzt. Sie muss mehrere Umdrehungen leicht laufen. Hakt es sofort, ist sie schief: raus und neu.

Kontrolle: Kerze sitzt handfest auf, keine Kraft nötig.
Mit Drehmoment anziehen
Drehmomentschlüssel auf den Wert für das Gewinde Deiner Kerze einstellen (Tabelle oben, besser Packung oder Handbuch) und anziehen, bis er einmal knackt. Ohne Drehmomentschlüssel gilt die Notregel der Kerzenhersteller für neue Flachsitzkerzen: handfest plus etwa eine halbe bis zwei Drittel Umdrehung – aber der Schlüssel ist besser.

Kontrolle: Einmal geknackt, nicht nachgezogen.
Zündspule wieder aufsetzen
Spule oder Stecker gerade auf die Kerze drücken, bis es spürbar einrastet, Schraube der Spule anziehen (nur leicht, Alu!), Stecker aufstecken bis die Rastnase klickt. Dann der nächste Zylinder, von vorn.

Kontrolle: Stecker klickt, Spule sitzt plan, Schraube fest.
Probelauf
Alle Zylinder fertig, Abdeckung noch weglassen, Motor starten. Er muss sofort rund laufen; ruckelt er oder blinkt die Motorkontrollleuchte, ist ein Stecker nicht eingerastet oder eine Spule nicht ganz unten. Dann Abdeckung drauf.

Kontrolle: Leerlauf ruhig, keine Kontrollleuchte.
Danach
Die alten Kerzen verraten Dir etwas: Alle gleich hellbraun – alles gut. Eine einzelne ölig oder weiß – der Zylinder hat ein anderes Problem, das Du im Heft notieren solltest.
Kerzentyp, Kilometerstand und Datum ins Heft – beim nächsten Mal weißt Du sofort, welche Kerzen und welches Drehmoment.
Wieder fällig: nach Serviceplan; Standardkerzen etwa 30.000 km, Platin/Iridium 60.000–100.000 km
Schrauberheft anlegen
Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.
Schrauberheft anlegenStimmt hier etwas nicht?
Falscher Wert, fehlender Schritt, anderes Fahrzeug? Hier eintragen – ohne Konto, ohne Mailadresse.
Häufige Fragen
- Welche Zündkerzen passen in mein Auto?
- Genau der Typ, der im Serviceplan steht oder den der Kerzenkatalog über Marke, Modell und Motorkennbuchstaben nennt. Wärmewert, Gewindelänge und Elektrodenbauart müssen stimmen – „passt ins Gewinde“ reicht nicht.
- Brauche ich wirklich einen Drehmomentschlüssel?
- Die Kerze sitzt in einem Aluminiumgewinde. Zu fest reißt das Gewinde oder verzieht den Kerzenkörper, zu locker überhitzt die Kerze. Ein Drehmomentschlüssel für 30 Euro ist billiger als eine Gewindereparatur.
- Soll ich Kupferpaste aufs Gewinde geben?
- Nein. NGK, Bosch und Denso raten davon ab: Die Gewinde der Kerzen sind beschichtet, und Paste verfälscht das Drehmoment – die Kerze wird zu fest.
- Kann ich Iridiumkerzen statt der normalen nehmen?
- Wenn der Hersteller des Kerzenkatalogs den Iridiumtyp für Deinen Motor als Alternative listet, ja – sie halten länger. Wärmewert und Abmessungen müssen identisch sein.
- Der Motor ruckelt nach dem Wechsel – was nun?
- Meist ist ein Zündspulenstecker nicht eingerastet oder eine Spule sitzt nicht ganz unten. Zündung aus, jeden Stecker und jede Spule noch einmal fest andrücken.
Quellen
Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.
- NGK Spark Plug: Montagehinweise und Anzugsdrehmomente für Zündkerzen – Tabelle nach Gewinde (M10/M12/M14/M18) und Zylinderkopf (Guss/Alu); Notregel für den Anzug ohne Drehmomentschlüssel
- AUTO BILD: Zündkerzen wechseln – Ablauf, Symptome verschlissener Kerzen
- Vergleich.org: Zündkerzen – Wechselintervalle je Elektrodenmaterial – Standard etwa 30.000 km, Platin bis 90.000 km
- Herstellerangaben auf Kerzenpackungen (Bosch, Champion) – Einzelwerte 28 Nm (Bosch M14), 25 Nm (Champion M14), 20 Nm (Champion M12)
- Werkstatt-Handbücher der Fahrzeughersteller – Kegelsitz-Kerzen und Spulenschrauben: nur dort steht der verbindliche Wert für Dein Fahrzeug