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Keilrippenriemen wechseln

Dreißig Minuten und ein Riemen für zwanzig Euro – und Lichtmaschine, Klima und Servopumpe laufen wieder leise.

Schwierigkeit
mittel
Dauer:
30–60 Minuten
Kosten:
15–40 € für den Riemen, 40–90 € mit Spannrolle
Geprüft am:

Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.

Worum geht es

Den Keilrippenriemen wechselt man, indem man den Riemenverlauf fotografiert, den automatischen Spanner mit einem Ringschlüssel oder Vierkant gegen seine Feder dreht, den alten Riemen abnimmt, Riemenscheiben und Rollen prüft, den neuen Riemen nach dem Foto auflegt – zuletzt über die glatte Rolle – und den Spanner langsam zurückkommen lässt.

Der Keilrippenriemen (Flachriemen, oft „Keilriemen“ genannt) treibt von der Kurbelwelle aus Lichtmaschine, Servopumpe, Klimakompressor und bei vielen Motoren die Wasserpumpe an. Er ist Verschleißteil: Risse quer über die Rippen, ausgebrochene Rippenstücke, glänzende Flanken oder Quietschen beim Kaltstart heißen, er ist fällig – meist nach 60.000 bis 120.000 km.

Reißt er, fällt sofort die Ladung aus (Batterieleuchte), die Lenkung wird schwer, und wenn er die Wasserpumpe treibt, überhitzt der Motor in Minuten. Darum lieber nach Plan wechseln als warten.

Nicht verwechseln: Der Zahnriemen sitzt hinter einer Abdeckung, treibt die Nockenwelle und ist eine ganz andere Arbeit mit Steuerzeiten – nichts für diese Anleitung. Der Keilrippenriemen liegt offen vorne oder seitlich am Motor und ist mit einem automatischen Spanner in einer halben Stunde getauscht. Bei alten Autos mit Einstellspanner (Schraube an der Lichtmaschine) muss die Spannung von Hand eingestellt werden.

Vorbereitung

Werkzeug

  • Ringschlüssel oder Nuss mit langem Hebel für den Spannermeist SW 15, SW 16, SW 17 oder SW 19; manche Spanner haben einen 3/8"- oder 1/2"-Vierkant für die RatschePflichtEin Riemenspanner-Werkzeug (flacher Schlüssel mit langem Griff) kommt besser an enge Stellen.
  • Arretierstift oder Bohrer3–6 mm, je nach SpannerhilfreichViele Spanner haben ein Loch, in das man im entlasteten Zustand einen Stift steckt – dann hat man beide Hände frei.
  • Taschenlampe, SpiegelPflichtDer untere Riemenverlauf ist oft nur von unten oder mit Spiegel zu sehen.
  • Smartphone für FotosPflichtDer Riemenverlauf ist bei jedem Motor anders – ohne Foto legst Du ihn falsch.
  • Wagenheber, Unterstellbock, Werkzeug für Radhausschale oder UnterbodenverkleidunghilfreichBei vielen Autos kommt man an die Kurbelwellenscheibe nur durch das Radhaus rechts.
  • Drehmomentschlüssel10–60 NmhilfreichWenn Spann- oder Umlenkrolle mit getauscht werden.

Material

  • Keilrippenriemen1 Stück; Bezeichnung z. B. 6PK1045 = 6 Rippen, 1045 mm lang – steht auf dem alten RiemenbelegtMarkenriemen (Continental, Gates, Dayco). Mit Klimaanlage und ohne sind oft verschiedene Längen – Teilekatalog nach Motor und Ausstattung.
  • Spannrolle und Umlenkrollebei Bedarf, oft als Satz mit dem RiemenbelegtRollen mit rauem Lauf oder Spiel beim Drehen mit wechseln – ein neuer Riemen auf einer kaputten Rolle hält Wochen.

Drehmomente

BauteilWertQuelle
Spannrolle / Umlenkrolle am Motor (Schraube M8 oder M10)M8 um 20–25 Nm, M10 um 40–45 Nm; der Wert steht im Handbuch – zu fest reißt der Alu-Halter.etwa 20–45 Nmüblich
Spannerhalter am Motorblock (nur bei Spannertausch)Je nach Motor 20–60 Nm, manchmal mit Drehwinkel.nur HandbuchHandbuch

Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.

Bevor Du anfängst

  • Zündung aus, Schlüssel raus. Bei Start-Stopp-Autos die Batterie abklemmen – der Motor darf unter keinen Umständen anlaufen, während die Hand am Riemen ist.
  • Motor kalt. Der Riemen läuft am Auspuffkrümmer und am Klimakompressor vorbei.
  • Der Spanner steht unter Federkraft. Den Hebel nie loslassen, solange der Riemen nicht liegt – er schlägt mit voller Kraft zurück und klemmt Finger.
  • Keine lose Kleidung, keine Kette, keine Haare in Riemennähe – auch wenn der Motor aus ist, aus Gewohnheit.

Schritt für Schritt

  1. Riemen besorgen und Verlauf fotografieren

    Bezeichnung vom alten Riemen ablesen (z. B. 6PK1045) oder Teilekatalog nach Motor und Ausstattung (Klima ja/nein). Dann den Riemenverlauf aus mehreren Winkeln fotografieren: Welche Scheibe mit den Rippen, welche glatte Rolle mit dem Rücken? Von oben, von unten, mit Spiegel. Viele Motoren haben auch einen Aufkleber mit dem Verlauf im Motorraum – fotografieren.

    Riemen besorgen und Verlauf fotografieren

    Kontrolle: Riemen da, Verlauf auf mindestens drei Fotos vollständig erkennbar.

  2. Zugang schaffen

    Motorabdeckung ab, bei Bedarf Luftfilterkasten oder Ansaugrohr weg. Kommt man nicht an die untere Kurbelwellenscheibe: Auto rechts vorn anheben, Bock darunter, Rad ab, Radhausschale lösen. Jetzt siehst Du den ganzen Riemen.

    Zugang schaffen

    Kontrolle: Spanner und alle Scheiben erreichbar, Motor steht sicher.

  3. Alten Riemen ansehen – den Fehler finden

    Riemen mit der Lampe absuchen: Querrisse, fehlende Rippenstücke, glänzende Flanken, Ausfransungen an einer Seite (dann fluchtet eine Scheibe nicht). Jede Rolle von Hand drehen: Sie muss leise und ohne Spiel laufen. Rauschen, Rubbeln oder Wackeln heißt Rolle mit tauschen.

    Alten Riemen ansehen – den Fehler finden

    Kontrolle: Du weißt, ob nur der Riemen oder auch Rollen fällig sind.

  4. Spanner entlasten und Riemen abnehmen

    Schlüssel oder Ratsche am Spanner ansetzen (Sechskant an der Rolle oder Vierkant am Spannerarm). Spanner gegen die Federkraft drehen (Richtung steht oft als Pfeil am Spanner), bis der Riemen locker ist. Mit der anderen Hand den Riemen von der glatten Rolle oder der obersten Scheibe ziehen, dann den Spanner langsam zurückkommen lassen. Riemen ganz abnehmen.

    Spanner entlasten und Riemen abnehmen

    Kontrolle: Riemen ab, Spanner steht entspannt in Ruhelage.

  5. Rollen und Scheiben prüfen, bei Bedarf tauschen

    Spannrolle und Umlenkrolle jetzt ohne Riemen drehen und wackeln. Defekte Rolle: Schraube lösen, Rolle ab, neue drauf, mit Drehmoment anziehen (Tabelle). Die Rippen aller Scheiben mit der Lampe ansehen: Rost, Gummireste oder abgebrochene Rippen heißen Scheibe reinigen oder tauschen.

    Rollen und Scheiben prüfen, bei Bedarf tauschen

    Kontrolle: Alle Rollen laufen leise und ohne Spiel, Scheiben sauber.

  6. Neuen Riemen nach Foto auflegen

    Neuen Riemen anhand der Fotos auflegen: Rippen in die gerillten Scheiben (Kurbelwelle, Lichtmaschine, Klima, Servo, Wasserpumpe), der glatte Rücken über die glatten Rollen. Zuletzt die glatte Umlenkrolle oder die Spannrolle. Dafür den Spanner wieder gegen die Feder drehen, Riemen aufziehen, prüfen, dass alle Rippen auf allen Scheiben in den Rillen sitzen – eine Rippe daneben ist der häufigste Fehler – dann den Spanner langsam zurücklassen.

    Neuen Riemen nach Foto auflegen

    Kontrolle: Jede Scheibe: alle Rippen in den Rillen, Riemen mittig, kein Versatz. Spanner steht im Arbeitsbereich (Markierung am Spanner).

  7. Von Hand durchdrehen, dann Probelauf

    Mit einer Nuss an der Kurbelwellenschraube den Motor zwei Umdrehungen in Laufrichtung durchdrehen und den Riemen beobachten – er muss gerade laufen und darf nirgends wandern. Dann Batterie anklemmen, Motor starten, 30 Sekunden zusehen: kein Quietschen, kein Flattern, Riemen bleibt in der Spur. Lenkung einschlagen und Klima einschalten als Lasttest.

    Von Hand durchdrehen, dann Probelauf

    Kontrolle: Riemen läuft ruhig und gerade, keine Batterieleuchte, Lenkung leicht.

  8. Alles anbauen

    Radhausschale, Rad mit Drehmoment, Auto ablassen, Luftfilterkasten, Motorabdeckung. Nach 100 km noch einmal den Riemenlauf ansehen.

    Auto steht wieder auf allen vier Rädern, Wagenheber und Bock beiseite

    Kontrolle: Alles wie vorher, nach 100 km läuft der Riemen weiter mittig.

Danach

Alten Riemen im Kofferraum behalten – als Notriemen kann er noch einmal nach Hause helfen.

Riemenbezeichnung, Rollen, Kilometerstand und Datum ins Heft mit Erinnerung nach dem Herstellerintervall.

Wieder fällig: nach Serviceplan, meist 60.000–120.000 km oder bei Rissen und Quietschen

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Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.

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Häufige Fragen

Keilriemen, Keilrippenriemen, Zahnriemen – was ist was?
Keilriemen sind die schmalen, trapezförmigen Riemen alter Autos. Keilrippenriemen sind die breiten, flachen mit Längsrippen, die heute alle Nebenaggregate treiben. Der Zahnriemen hat Querzähne, liegt hinter einer Abdeckung und steuert die Ventile – er ist Werkstattarbeit mit Steuerzeiten.
Der Riemen quietscht – muss er neu?
Quietschen beim Kaltstart oder beim Lenken heißt meist: zu wenig Spannung (Spanner müde), glasige Riemenflanken oder Wasser. Ein alter Riemen plus müder Spanner: beides tauschen. Nur Riemenspray hilft Tage, nicht Monate.
Wie finde ich den richtigen Riemen?
Auf dem alten Riemen steht die Bezeichnung, z. B. 6PK1045 (6 Rippen, 1045 mm). Fehlt sie: Teilekatalog nach Motorkennbuchstaben und Ausstattung (mit oder ohne Klimaanlage ändert die Länge).
Spanner mit tauschen?
Wenn die Rolle rau läuft, Spiel hat oder der Spannerarm am Anschlag steht, ja. Bei über 100.000 km ist der Satz aus Riemen, Spann- und Umlenkrolle die sichere Wahl – der Riemen ist das billigste Teil davon.
Ich habe den Riemen aufgelegt und er wandert zur Seite – warum?
Eine Rippe sitzt neben der Rille auf einer Scheibe, oder eine Rolle fluchtet nicht (verschlissenes Lager, verbogener Halter). Motor aus, jede Scheibe einzeln mit der Lampe prüfen.

Quellen

Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.

  • Einbauhinweise der Riemenhersteller (Continental/ContiTech, Gates, Dayco) – Verschleißbilder, Riemenbezeichnung, Spanner und Rollen mit tauschen, Rippen in den Rillen prüfen
  • Werkstatt-Handbücher der Fahrzeughersteller – Riemenverlauf je Motor und Ausstattung, Spannerbedienung, Drehmomente der Rollen, Wechselintervall
  • AUTODOC CLUB: Keilrippenriemen wechseln – Schritt-für-Schritt-Anleitungen je Modell – Zugang über das Radhaus, Spanner mit Ringschlüssel entlasten
  • Werkstatt-Praxis und Foren (MOTOR-TALK) – Foto vom Verlauf vor dem Ausbau, alter Riemen als Notriemen

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