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Räder wechseln mit richtigem Drehmoment

Vier Räder in einer Stunde – und zwar so, dass sie dranbleiben und sich beim nächsten Mal wieder lösen lassen.

Schwierigkeit
leicht
Dauer:
45–75 Minuten für vier Räder
Kosten:
0 € (eigene Räder), einmalig 60–120 € für Wagenheber, Unterstellbock und Drehmomentschlüssel
Geprüft am:

Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.

Worum geht es

Beim Räderwechsel lockert man die Radschrauben am stehenden Auto eine halbe Umdrehung, hebt das Auto am Aufnahmepunkt an, tauscht das Rad, zieht die Schrauben über Kreuz erst von Hand und dann am abgelassenen Auto mit dem Drehmomentschlüssel auf den Herstellerwert an – bei den meisten Pkw zwischen 110 und 140 Nm – und zieht nach 50 Kilometern nach.

Zweimal im Jahr steht der Wechsel zwischen Sommer- und Winterrädern an. Die Arbeit ist einfach, aber sie wird häufig falsch gemacht: Schrauben mit dem Schlagschrauber bombenfest gezogen, Rad auf Dreck gesetzt, Auto nur auf dem Wagenheber. Jede dieser Abkürzungen rächt sich – mit Radschrauben, die niemand mehr löst, mit Vibrationen oder mit einem Rad, das sich löst.

Das Drehmoment ist der Kern: Es hält die Schraube mit der richtigen Vorspannung. Zu wenig, und die Schraube lockert sich; zu viel, und die Schraube überdehnt oder die Felge verzieht sich. Der Wert hängt vom Fahrzeug ab und steht in der Betriebsanleitung – die Tabelle unten nennt die üblichen Bereiche.

Woran Du merkst, dass es Zeit ist: Profiltiefe, Temperatur (Winterreifen ab etwa 7 °C), oder weil die Reifen schlicht die falsche Jahreszeit haben. Winterreifenpflicht gilt situativ bei Schnee, Eis und Reifglätte.

Vorbereitung

Werkzeug

  • DrehmomentschlüsselBereich 40–200 Nm, 1/2"PflichtNach Gebrauch auf den niedrigsten Wert zurückstellen, sonst ermüdet die Feder.
  • Radkreuz oder RadschlüsselSW 17 oder SW 19 (je nach Auto), manchmal SW 21PflichtZum Lösen und Vordrehen. Den Drehmomentschlüssel nie zum Lösen nehmen.
  • WagenheberRangierwagenheber ab 2 t; der Bordwagenheber geht zur NotPflicht
  • Unterstellbockab 2 t TragkraftPflichtSobald Du mehr als das Rad tauschst oder Dich unter das Auto beugst: Bock darunter.
  • UnterlegkeilePflichtZwei Keile, diagonal gegenüber vom angehobenen Rad.
  • Drahtbürste und LappenPflichtFür Nabe und Felgenanlage.
  • Adapter für FelgenschlosshilfreichWenn Dein Auto eine Sicherungsschraube je Rad hat – liegt meist im Bordwerkzeug oder Handschuhfach.
  • Kreide oder WachsstifthilfreichUm die abgenommenen Räder mit Position zu markieren (VL, VR, HL, HR).
  • Reifendruckprüfer und Kompressor oder TankstellePflicht

Material

  • Nichts, wenn die Räder vorhanden sindbelegtBei Alufelgen mit eigenen Radschrauben: die zur Felge passenden Schrauben (Kegel- oder Kugelbund, Länge) – vertauschte Schraubensätze halten nicht.

Drehmomente

BauteilWertQuelle
Radschrauben / Radmuttern Pkw – üblicher BereichJe nach Hersteller und Felge. Der verbindliche Wert steht in Deiner Betriebsanleitung unter „Räder“ oder „Radwechsel“ und oft auf einem Aufkleber in der Tür oder am Tankdeckel.110–140 Nmüblich
VW, Audi, Seat, Škoda (M14×1,5)In Foren und Werkstatt-Handbüchern wiederkehrend genannt; einzelne Modelle abweichend – Handbuch prüfen.120 Nmüblich
BMW, Mini (M12 und M14)Fahrzeugdatenbanken nennen 140 Nm für neuere BMW (M14), ältere mit M12 liegen bei 120 Nm.120–140 Nmüblich
Mercedes-BenzForum: E-Klasse ab Werk 130 Nm, W 203 120 Nm.120–130 Nmüblich
Kleinwagen mit M12-Schrauben (z. B. viele Opel, Ford, Toyota, Hyundai/Kia)Zu breit gestreut für einen Richtwert – nur Handbuch.90–110 NmHandbuch

Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.

Bevor Du anfängst

  • Nie unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht. Wer sich unter das Auto beugt, stellt vorher einen Unterstellbock darunter.
  • Ebener, fester Boden. Handbremse an, Gang oder P eingelegt, Unterlegkeile am gegenüberliegenden Rad. Niemand sitzt im Auto.
  • Schrauben nur am Boden lösen und endgültig anziehen – nie am angehobenen Rad, das Auto kann vom Heber kippen.
  • Kein Schlagschrauber zum Anziehen. Nur lösen. Das Drehmoment macht der Drehmomentschlüssel.

Schritt für Schritt

  1. Vorbereiten und sichern

    Auto auf ebenem Boden abstellen, Handbremse anziehen, Gang oder P einlegen, Unterlegkeile diagonal gegenüber vom ersten Rad. Radkappen oder Schraubenkappen abnehmen, Felgenschloss-Adapter bereitlegen. Alle Räder, die drankommen, auf Druck und Profil prüfen.

    Vorbereiten und sichern

    Kontrolle: Keile sitzen, Auto bewegt sich nicht, Werkzeug liegt griffbereit.

  2. Radschrauben am Boden lösen

    Mit dem Radkreuz jede Schraube eine halbe Umdrehung lösen, solange das Rad noch am Boden steht. Geht eine Schraube nicht auf: Radkreuz waagerecht ansetzen und mit dem Körpergewicht drücken, nicht mit Rohr verlängern – das überlastet die Schraube.

    Radschrauben am Boden lösen

    Kontrolle: Alle Schrauben eine halbe Umdrehung gelöst, noch keine ganz heraus.

  3. Auto am Aufnahmepunkt anheben

    Wagenheber genau an die Aufnahme setzen (Markierung am Schweller, Pfeil oder Kerbe; Betriebsanleitung zeigt die Stelle). Gummiauflage dazwischen schont den Schweller. Anheben, bis das Rad frei dreht, etwa drei Zentimeter Luft. Unterstellbock daneben unter einen tragenden Punkt stellen.

    Auto vorn auf dem Wagenheber, Unterstellbock trägt, Keile hinter dem Hinterrad

    Kontrolle: Rad frei, Auto steht ruhig, Bock trägt oder ist zumindest als Sicherung darunter.

  4. Rad abnehmen

    Schrauben ganz herausdrehen, die oberste zuletzt. Rad mit beiden Händen fassen, abziehen und mit der Außenseite nach oben hinlegen. Position mit Kreide markieren (z. B. VL). Sitzt das Rad auf der Nabe fest: mit der flachen Hand an der Reifenflanke rundherum klopfen, nie mit dem Hammer auf die Felge.

    Rad abnehmen

    Kontrolle: Rad ab, Schrauben in einer Reihe abgelegt, Position markiert.

  5. Nabe und Felge reinigen

    Rost und Schmutz an der Nabe und an der Anlagefläche der Felge mit der Drahtbürste entfernen. Hier sitzt der Grund für die meisten Vibrationen nach dem Wechsel: Ein Krümel zwischen Nabe und Felge wirkt wie eine Unwucht. Gewinde der Schrauben ansehen – beschädigte ersetzen. Kein Fett auf Gewinde oder Anlagefläche.

    Nabe und Felge reinigen

    Kontrolle: Nabe und Felgenrückseite blank und trocken.

  6. Neues Rad aufsetzen und handfest schrauben

    Rad auf die Nabe heben (Laufrichtungspfeil auf dem Reifen beachten), obere Schraube zuerst von Hand eindrehen, dann die übrigen. Mit dem Radkreuz über Kreuz leicht anziehen, bis das Rad plan anliegt – noch kein Drehmoment.

    Neues Rad aufsetzen und handfest schrauben

    Kontrolle: Rad liegt rundum plan an, alle Schrauben handfest.

  7. Ablassen und mit Drehmoment anziehen

    Bock heraus, Auto ablassen, bis das Rad trägt. Drehmomentschlüssel auf den Wert aus Deiner Betriebsanleitung einstellen und die Schrauben über Kreuz anziehen, bis er je Schraube einmal knackt: bei fünf Schrauben im Stern, bei vier gegenüberliegend. Danach noch einmal im Kreis herum, jede muss ein zweites Mal sofort knacken.

    Ablassen und mit Drehmoment anziehen

    Kontrolle: Jede Schraube hat zweimal geknackt, keine hat sich beim zweiten Mal noch bewegt.

  8. Die übrigen Räder, dann Druck prüfen

    Keile umsetzen und die weiteren Räder genauso. Zum Schluss Reifendruck aller vier Räder auf den Wert vom Aufkleber (Tür oder Tankdeckel) bringen, Radkappen aufsetzen, Reifendruckkontrolle zurücksetzen oder neu anlernen (Betriebsanleitung).

    Die übrigen Räder, dann Druck prüfen

    Kontrolle: Vier Räder, vier Drücke, Kontrollleuchte aus.

  9. Nach 50 km nachziehen

    Nach 50 bis 100 km jede Schraube noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel auf den eingestellten Wert prüfen. Setzen sich Felge und Schrauben, verliert die Schraube Vorspannung – das ist normal und der Grund für das Nachziehen.

    Nach 50 km nachziehen

    Kontrolle: Alle Schrauben knacken sofort, keine dreht noch nach.

Danach

Abgenommene Räder vor dem Einlagern reinigen, Druck um 0,5 bar erhöhen, trocken und dunkel lagern – stehend mit Felge oder liegend gestapelt. Alle paar Wochen drehen.

Kilometerstand, Profiltiefe je Rad und Position ins Heft. Beim nächsten Wechsel tauschst Du dann achsweise so, dass alle Reifen gleichmäßig abfahren.

Wieder fällig: zweimal im Jahr: Winterräder ab etwa 7 °C im Herbst, Sommerräder im Frühjahr; Nachziehen nach 50 km

Schrauberheft anlegen

Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.

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Häufige Fragen

Welches Drehmoment haben meine Radschrauben?
Steht in der Betriebsanleitung unter „Radwechsel“, oft auch auf einem Aufkleber in der Fahrertür oder am Tankdeckel. Bei den meisten Pkw liegt der Wert zwischen 110 und 140 Nm; Kleinwagen mit M12-Schrauben darunter.
Warum darf ich die Schrauben nicht mit dem Schlagschrauber anziehen?
Ein Schlagschrauber zieht unkontrolliert, meist viel zu fest. Die Schraube überdehnt, die Felge verzieht sich, und beim nächsten Wechsel bekommst Du sie am Straßenrand nicht mehr auf. Lösen ja, anziehen nur mit dem Drehmomentschlüssel.
Muss ich wirklich nach 50 km nachziehen?
Ja. Felge und Schraube setzen sich in den ersten Kilometern, die Vorspannung sinkt. Ein Rad, das sich löst, kündigt sich durch Klackern und Vibrieren an – so weit soll es nicht kommen.
Reifen auch von vorn nach hinten tauschen?
Achsweise tauschen ist sinnvoll, damit alle vier gleichmäßig abfahren – aber nur innerhalb der Laufrichtung (Pfeil auf dem Reifen) und nie, wenn die Profiltiefen stark unterschiedlich sind. Die besseren Reifen gehören nach hinten.
Das Rad sitzt auf der Nabe fest – was tun?
Mit der flachen Hand oder dem Gummihammer rundherum auf die Reifenflanke schlagen, nie auf die Felge. Hilft das nicht: Schrauben locker wieder eindrehen, Auto ablassen und ein paar Meter vor und zurück rollen – das löst die Felge fast immer.

Quellen

Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.

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