Reifendruck und Profil prüfen
Fünf Minuten an der Tankstelle – und Du fährst sicherer, sparst Sprit und erkennst, wann neue Reifen fällig sind, bevor der Prüfer es tut.
- Schwierigkeit
- leicht
- Dauer:
- 5–10 Minuten
- Kosten:
- 0 € (Profilmesser 3 €, Druckprüfer 10 €)
- Geprüft am:
Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.
Worum geht es
Reifen prüft man alle zwei bis vier Wochen bei kalten Reifen: Druck mit dem Prüfer gegen die Werte auf dem Aufkleber in der Tür oder am Tankdeckel (beladen mehr), Profiltiefe mit Profilmesser oder 1-Euro-Münze an mehreren Stellen – gesetzlich mindestens 1,6 mm, empfohlen 3 mm bei Sommer- und 4 mm bei Winterreifen – und einen Blick auf Risse, Beulen und das Alter (DOT-Nummer).
Reifen sind die einzige Verbindung zur Straße, vier Flächen so groß wie eine Postkarte. Zu wenig Druck heißt längerer Bremsweg, schwammiges Fahrverhalten, mehr Verbrauch und ein Reifen, der an den Schultern abfährt und im schlimmsten Fall platzt. Zu wenig Profil heißt Aquaplaning: Bei 1,6 mm verdrängt ein Reifen nur noch gut die Hälfte des Wassers, das ein neuer schafft.
Das Gesetz verlangt 1,6 mm über den ganzen Umfang (StVZO § 36). Der ADAC empfiehlt, Sommerreifen ab 3 mm und Winter- oder Ganzjahresreifen ab 4 mm zu ersetzen – im Winter gilt in Österreich unter 4 mm der Reifen rechtlich nicht mehr als Winterreifen.
Die Kontrolle kostet nichts und dauert fünf Minuten: Druck bei kalten Reifen, Profil an mehreren Stellen, Blick auf die Flanken. Wer das alle zwei bis vier Wochen macht und ins Heft schreibt, hat beim Verkauf einen Reifenlauf, den kein Käufer anzweifelt.
Vorbereitung
Werkzeug
- ReifendruckprüferBereich bis 4 bar, mit Skala oder digitalPflichtDer Prüfer an der Tankstelle ist oft ungenau – ein eigener für zehn Euro lohnt sich.
- Profiltiefenmesser0–20 mm, mit NadelhilfreichSonst 1-Euro-Münze (goldener Rand = 3 mm) und 2-Euro-Münze (silberner Rand = 4 mm).
- Kompressor oder Luftsäule an der TankstellePflicht
- TaschenlampehilfreichFür die Innenflanke und die DOT-Nummer.
Material
- Ventilkappen4 Stück, falls welche fehlenbelegtSchützen das Ventil vor Schmutz – ohne Kappe dichtet das Ventil irgendwann nicht mehr.
Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.
Bevor Du anfängst
- Druck nur bei kalten Reifen prüfen (weniger als 2 km gefahren oder zwei Stunden gestanden). Warme Reifen zeigen 0,2–0,3 bar mehr – nie Luft aus warmen Reifen ablassen.
- Nie unter den Mindestdruck vom Aufkleber. Im Zweifel 0,2 bar mehr, nie weniger.
- Beulen an der Flanke, Risse bis aufs Gewebe oder ein Reifen, der ständig Luft verliert: nicht mehr fahren. Das ist kein Schönheitsfehler.
- Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) ersetzt die Prüfung nicht – es warnt erst bei deutlichem Verlust.
Schritt für Schritt
Sollwerte nachschlagen
Der Aufkleber mit den Druckwerten sitzt in der Fahrertür, am Türholm, im Tankdeckel oder im Handschuhfach – sonst Betriebsanleitung. Dort stehen Werte je Reifengröße, je Achse und für „teilbeladen“ und „voll beladen“. Nimm den Wert für Deine Beladung; mit Urlaubsgepäck oder Anhänger den höheren.

Kontrolle: Du hast je Achse einen Sollwert in bar.
Druck prüfen und korrigieren
Bei kalten Reifen Ventilkappe ab, Prüfer gerade und fest auf das Ventil drücken, bis kein Zischen mehr zu hören ist, ablesen. Zu wenig: an der Luftsäule nachfüllen, zu viel: am Prüfer Luft ablassen. Alle vier Reifen – und das Reserverad, falls vorhanden (meist 0,5 bar mehr als die Räder). Kappen wieder drauf.

Kontrolle: Alle vier auf Sollwert ±0,1 bar, Kappen drauf.
Profiltiefe messen
Profilmesser senkrecht in die Hauptrillen stecken: an drei Stellen über die Breite (außen, Mitte, innen) und an zwei Stellen am Umfang. Mit Münze: 1-Euro-Münze in die Rille – verschwindet der goldene Rand (3 mm), ist das Profil über 3 mm. Für Winterreifen die 2-Euro-Münze mit dem silbernen Rand (4 mm). Notiere den kleinsten Wert je Reifen.

Kontrolle: Je Reifen ein Wert in mm notiert, kleinster Wert zählt.
Abnutzungsbild lesen
Beide Schultern stärker abgefahren als die Mitte: zu wenig Druck. Mitte stärker: zu viel Druck. Eine Seite stärker: Spur oder Sturz verstellt (Werkstatt, Achsvermessung). Sägezahn am Rand (spürbar beim Darüberstreichen): normal bei Hinterreifen, bei viel Lärm die Achsen tauschen. Vorne fährt sich bei Frontantrieb schneller ab – alle 10.000 km achsweise tauschen hält das gleichmäßig.

Kontrolle: Abnutzung eingeordnet: Druck, Spur oder normal.
Flanken, Schäden und Alter prüfen
Beide Flanken mit der Lampe ansehen: feine Risse (Alterung), tiefe Risse, Beulen (Gewebebruch – sofort ersetzen), eingefahrene Nägel oder Schrauben. Die DOT-Nummer auf der Flanke endet mit vier Ziffern: Woche und Jahr der Herstellung (z. B. 2321 = 23. Woche 2021). Reifen über sechs Jahre sind hart und sollten auch mit Profil ersetzt werden, über zehn Jahre auf jeden Fall.

Kontrolle: Keine Beulen, keine tiefen Risse, Alter bekannt.
RDKS zurücksetzen und eintragen
Hat das Auto ein Reifendruck-Kontrollsystem mit Anlernen (Betriebsanleitung: „Reifendruck speichern“), nach dem Korrigieren zurücksetzen – sonst warnt es mit falschen Werten. Dann ins Heft: Datum, Kilometerstand, Druck und Profil je Reifen. Beim nächsten Mal siehst Du den Verschleiß in Millimetern pro Monat.

Kontrolle: RDKS ohne Warnung, Werte im Heft.
Danach
Alle zwei bis vier Wochen wiederholen, immer vor langen Fahrten und bei Beladung. Ein Reifen, der jedes Mal 0,2 bar verloren hat, hat ein Ventil- oder Felgenproblem.
Liegt das Profil bei 3 mm (Sommer) oder 4 mm (Winter), neue Reifen planen – nicht erst bei 1,6 mm. Die besseren Reifen gehören auf die Hinterachse, auch bei Frontantrieb.
Wieder fällig: alle 2–4 Wochen und vor jeder langen Fahrt
Schrauberheft anlegen
Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.
Schrauberheft anlegenStimmt hier etwas nicht?
Falscher Wert, fehlender Schritt, anderes Fahrzeug? Hier eintragen – ohne Konto, ohne Mailadresse.
Häufige Fragen
- Wie viel Druck gehört in meine Reifen?
- Der Wert vom Aufkleber in der Tür oder am Tankdeckel – je Reifengröße, Achse und Beladung. Nicht der Wert auf der Reifenflanke, das ist der maximal zulässige Druck des Reifens. Beladen oder mit Anhänger den höheren Wert.
- Ab wann sind Reifen zu abgefahren?
- Gesetzlich bei 1,6 mm Restprofil. Der ADAC empfiehlt neue Reifen ab 3 mm (Sommer) beziehungsweise 4 mm (Winter, Ganzjahr), weil darunter der Bremsweg auf nasser Straße stark wächst. Prüfen mit Profilmesser oder 1-/2-Euro-Münze.
- Wie alt dürfen Reifen sein?
- DOT-Nummer ansehen: die letzten vier Ziffern sind Woche und Jahr. Ab sechs Jahren wird der Gummi hart, ab zehn Jahren raten alle Hersteller zum Tausch, auch mit gutem Profil. Bei Anhängern und Wohnwagen gelten oft sechs Jahre als Grenze.
- Mein Reifendruck-Kontrollsystem warnt, der Druck stimmt aber – warum?
- Nach dem Nachfüllen oder Radwechsel muss das System bei vielen Autos neu angelernt werden (Betriebsanleitung). Bleibt die Warnung, ist ein Sensor leer (Batterie im Sensor hält 5–8 Jahre) oder ein Reifen verliert schleichend Luft.
- Winter- oder Sommerreifen – ab wann wechseln?
- Faustregel Oktober bis Ostern. Winterreifenpflicht gilt in Deutschland situativ bei Schnee, Eis und Reifglätte; Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erfüllen sie. Unter 7 °C sind Winterreifen im Vorteil, darüber Sommerreifen.
Quellen
Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.
- StVZO § 36 Absatz 2: Mindestprofiltiefe 1,6 mm am ganzen Umfang – gesetzliche Grenze
- ADAC-Empfehlung: Sommerreifen ab 3 mm, Winter-/Ganzjahresreifen ab 4 mm ersetzen; Aquaplaning-Test – Wasserverdrängung 55 % bei 1,6 mm, 80 % bei 3 mm; Aufschwimmen bei 4 mm früher als neu
- pkw.de: Reifenprofil mit der 1-Euro-Münze messen – Goldrand 3 mm, 2-Euro-Silberrand 4 mm, an mehreren Stellen messen
- Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Aquaplaning und Profiltiefe – Quellen – Zusammenfassung der Studienlage
- bussgeldkatalog.de: Mindestprofiltiefe unterschritten – Bußgeld und Punkte
- Reifenhersteller (Continental, Michelin): Hinweise zu Reifenalter und DOT-Nummer – sechs Jahre prüfen, zehn Jahre ersetzen