Zahnriemen prüfen
Zwanzig Minuten mit Lampe und Spiegel – und Du weißt, ob Dein Motor an einem Riemen hängt, der reißen kann, bevor er reißt.
- Schwierigkeit
- leicht
- Dauer:
- 20–40 Minuten (Prüfung)
- Kosten:
- 0 € (Prüfung); Wechsel in der Werkstatt 400–900 € mit Wasserpumpe
- Geprüft am:
Für Erwachsene mit Grundwerkzeug. Lies die Anleitung einmal ganz, bevor Du anfängst.
Worum geht es
Den Zahnriemen prüft man, indem man im Serviceheft nachsieht, ob das Intervall nach Kilometern oder Jahren überschritten ist (meist 90.000 bis 240.000 km, aber nur 5 bis 7 Jahre), die obere Riemenabdeckung abnimmt und den Riemen mit Lampe und Spiegel auf Querrisse, ausgebrochene Zähne, Verglasung, Ölfeuchte und richtige Spannung ansieht; der Wechsel selbst erfordert Steuerzeiten, Spezialwerkzeug und meist den Tausch der Wasserpumpe und gehört ohne Erfahrung in die Werkstatt.
Der Zahnriemen verbindet Kurbelwelle und Nockenwelle und hält Kolben und Ventile im Takt. Reißt er, treffen beim Freiläufer die Ventile die Kolben – Motorschaden für 2.000 bis 5.000 Euro oder ein Totalschaden. Darum ist er das einzige Verschleißteil, das nach Alter gewechselt wird, nicht nur nach Kilometern: Gummi altert, auch wenn das Auto steht. Hersteller nennen 90.000 bis 240.000 km, aber meist nur 5 bis 7 Jahre.
Viele Motoren haben keinen Zahnriemen, sondern eine Steuerkette (BMW, viele Mercedes, Mazda, neuere Fords). Ob Riemen oder Kette, steht im Serviceheft oder im Teilekatalog. Nicht verwechseln mit dem Keilrippenriemen, der offen vorn am Motor läuft und die Nebenaggregate treibt – der ist eine eigene, einfache Anleitung.
Prüfen kann jeder. Wechseln heißt: Motor auf OT stellen, Nockenwellen arretieren, Spanner nach Vorschrift einstellen, oft Motorlager lösen, Wasserpumpe und Spannrolle mit erneuern, und ein einziger Zahn Versatz macht den Motor kaputt. Das ist eine Anleitung, die wir nicht aus Quellen zusammentragen – sie steht nur im Werkstatthandbuch des konkreten Motors, und dort gehört sie hin.
Vorbereitung
Werkzeug
- Taschenlampe und kleiner SpiegelPflicht
- Schraubendreher, Torx oder Nuss für die obere RiemenabdeckungTorx T25/T30, SW 8/10, oft ClipsPflicht
- Nuss für die Kurbelwellenschraube zum Durchdrehenmeist SW 17–22, 1/2"hilfreichNur in Laufrichtung drehen, Zündung aus, Gang raus.
- Serviceheft oder RechnungenPflichtDie wichtigste Prüfung ist das Datum des letzten Wechsels.
Drehmomente
| Bauteil | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Obere Zahnriemenabdeckung (Kunststoff) | handfest, etwa 2–5 Nm | üblich |
Jeder Wert trägt eine Ampel: grün ist eine belegte Herstellerangabe, gelb ein üblicher Bereich, der in Werkstatt-Handbüchern und Foren wiederkehrt, rot heißt: Wert im Handbuch Deines Fahrzeugs nachsehen.
Bevor Du anfängst
- Motor aus, Zündung aus, Schlüssel raus, Gang raus. Beim Durchdrehen von Hand nur in Laufrichtung.
- Nichts in den Riementrieb fallen lassen – eine Schraube zwischen Riemen und Rad zerstört beides.
- Riemen nie knicken, nicht mit Öl, Reiniger oder Spray behandeln.
- Wer Risse oder Zahnverlust findet, fährt nicht mehr weit: Abschleppen ist billiger als ein Motorschaden.
- Der Wechsel ist keine Anleitung von hier: Steuerzeiten, Arretierwerkzeug, Werkstatthandbuch.
Schritt für Schritt
Riemen oder Kette? Intervall nachschlagen
Im Serviceheft oder Teilekatalog nachsehen: Zahnriemen oder Steuerkette? Bei Riemen: Intervall des Herstellers in Kilometern UND Jahren notieren. Letzten Wechsel finden (Serviceheft, Rechnung, Aufkleber im Motorraum). Fehlt jeder Nachweis bei einem Gebrauchtwagen: Der Riemen gilt als fällig.

Kontrolle: Riemen ja/nein, Intervall, Datum und Kilometerstand des letzten Wechsels bekannt oder „unbekannt“ notiert.
Obere Abdeckung abnehmen
Motorabdeckung ab. Die Zahnriemenabdeckung sitzt stirnseitig am Motor (Seite des Keilrippenriemens) und ist oft dreiteilig; die obere lässt sich meist nach Lösen von Clips oder zwei Schrauben abnehmen oder abklappen. Manchmal muss ein Halter oder der Keilrippenriemen weg – dann reicht ein Blick durch den Spalt mit Spiegel und Lampe.

Kontrolle: Du siehst mindestens den oberen Riemenlauf über das Nockenwellenrad.
Rücken und Flanken ansehen
Mit Lampe und Spiegel: Riemenrücken glatt, ohne Risse, ohne Verglasung (glänzend und hart)? Flanken ohne Ausfransung? Ölfeuchte oder Kühlmittelspuren am Riemen (von Nockenwellen-Dichtring oder Wasserpumpe) heißt: Riemen und Ursache wechseln. Ein Riemen, der an einer Seite der Räder anläuft, hat eine schief sitzende Rolle.

Kontrolle: Rücken glatt, Flanken sauber, trocken.
Zähne prüfen – Motor durchdrehen
Mit der Nuss an der Kurbelwellenschraube den Motor langsam in Laufrichtung durchdrehen und dabei die Zahnseite im Spiegel ansehen, Stück für Stück über den ganzen Umfang: Querrisse zwischen den Zähnen, ausgebrochene oder abgeflachte Zähne, Gewebe sichtbar? Alles davon heißt sofort wechseln.

Kontrolle: Alle Zähne vollständig, keine Risse am Zahngrund.
Spannung fühlen
Am längsten freien Riemenstück mit Daumen und Zeigefinger: Der Riemen soll sich um etwa 90 Grad verdrehen lassen, nicht mehr (zu locker) und nicht deutlich weniger (zu straff). Automatische Spanner haben eine Markierung, die im Arbeitsfenster stehen muss. Ein Riemen, der beim Lauf singt oder klappert, hat die falsche Spannung.

Kontrolle: Etwa 90 Grad Verdrehung, Spannermarke im Fenster.
Wasserpumpe und Rollen mitdenken
Läuft die Wasserpumpe vom Zahnriemen (bei den meisten Riemenmotoren ja): Kühlmittelspuren am Pumpengehäuse, rosa oder weiße Kristalle unter dem Riemenkasten? Spann- und Umlenkrollen von außen auf Geräusch prüfen (Motor kurz laufen lassen, Stethoskop oder langer Schraubendreher am Ohr). Beim Wechsel kommen Pumpe und Rollen immer mit.

Kontrolle: Keine Kühlmittelspuren, Rollen ohne Rauschen.
Entscheiden und eintragen
Riemen in Ordnung und Intervall nicht erreicht: Abdeckung drauf, Datum und Befund ins Heft, nächste Prüfung in einem Jahr. Intervall erreicht oder Befund auffällig: Termin in der Werkstatt, Zahnriemensatz mit Wasserpumpe. Nach dem Wechsel Rechnung fotografieren und Aufkleber im Motorraum anbringen.

Kontrolle: Entscheidung getroffen, Befund im Heft mit Datum.
Danach
Nach einem Werkstattwechsel ins Heft: Datum, Kilometerstand, Wasserpumpe ja/nein, Rechnung – das ist beim Verkauf das wichtigste Blatt im ganzen Heft.
Jährlich kurz nachsehen, auch wenn das Intervall noch läuft: Ölfeuchte und Kühlmittelspuren kommen schleichend.
Wieder fällig: prüfen jährlich; Wechsel nach Herstellerintervall (km oder Jahre, was zuerst eintritt)
Schrauberheft anlegen
Mit Kilometerstand und Datum – damit Du beim Verkauf zeigen kannst, was gemacht wurde.
Schrauberheft anlegenStimmt hier etwas nicht?
Falscher Wert, fehlender Schritt, anderes Fahrzeug? Hier eintragen – ohne Konto, ohne Mailadresse.
Häufige Fragen
- Wann muss der Zahnriemen gewechselt werden?
- Nach dem Herstellerintervall – Kilometer oder Jahre, je nachdem, was zuerst erreicht ist. Typisch 90.000–240.000 km, aber nur 5–7 Jahre. Ohne Nachweis des letzten Wechsels gilt er als fällig.
- Hat mein Auto einen Zahnriemen oder eine Kette?
- Steht im Serviceheft (Position „Zahnriemen“ im Wartungsplan) oder im Teilekatalog nach Motorkennbuchstaben. BMW, viele Mercedes, Mazda und neuere Ford-Benziner haben Ketten; VW, Audi, PSA, Renault, Fiat oft Riemen.
- Kann ich den Zahnriemen selbst wechseln?
- Mit Werkstatthandbuch, Arretierwerkzeug für genau diesen Motor und Erfahrung ja. Ohne das: nein. Ein Zahn Versatz oder ein falsch eingestellter Spanner kostet den Motor. Diese Schrauberhilfe beschreibt den Wechsel bewusst nicht – er lässt sich nicht fahrzeugübergreifend ehrlich anleiten.
- Wasserpumpe mitwechseln – nötig?
- Wenn sie vom Zahnriemen angetrieben wird: ja. Sie kostet 30–80 Euro extra, ihr späterer Ausfall den gleichen Arbeitslohn noch einmal plus im schlimmsten Fall den Riemen. Spannrolle und Umlenkrollen ebenso – der Satz heißt deshalb Zahnriemensatz.
- Was kostet der Wechsel?
- Je nach Motor 400–900 Euro in der freien Werkstatt inklusive Satz und Wasserpumpe, bei verbauten Motoren (V6, Allrad) mehr. Das ist viel Geld und trotzdem der billigste Motorschaden, den man nicht hat.
Quellen
Woher die Angaben stammen. Stand: 10.10.2026.
- Wartungspläne der Fahrzeughersteller – Intervalle in km und Jahren je Motor
- Montagehinweise der Riemenhersteller (Continental/ContiTech, Gates, Dayco) – Verschleißbilder, Alterung, Spannung, Wasserpumpe und Rollen als Satz
- Werkstatt-Handbücher der Fahrzeughersteller – Steuerzeiten, Arretierwerkzeug, Spannvorschrift – der Grund, warum der Wechsel hier nicht beschrieben wird
- Werkstatt-Praxis und Foren (MOTOR-TALK) – 90-Grad-Regel für die Spannung, Prüfung mit Spiegel, Motorschadenfälle bei Riemenriss